19 Tage und 2.668 Meilen im Mai/Juni 2013 durch California, Arizona, Utah und Nevada
Route
- Los Angeles
- Los Angeles – Liebre Mountain – Lancaster – Vasquez Rocks – Palmdale
- Palmdale – Joe Davis Heritage Airpark – Victorville – Soggy Dry Lake – Needles
- Needles – Oatman – Hoover Dam – Las Vegas
- Las Vegas
- Las Vegas
- Las Vegas – Canaan Mountains – Kanab
- Kanab – Grand Canyon National Park (North Rim)
- Grand Canyon National Park (North Rim) – Coyoote Buttes South – Page
- Page – Sunset Crater Volcano – Cinder Hills – Schultz Pass – Flagstaff
- Flagstaff – Schnebly Hill Road – Sedona
- Sedona – Doe Mountain – Boynton Canyon
- Sedona – Watson Lake – Senator Highway – Crown King – Scottsdale
- Scottsdale – Downtown Phoenix
- Scottsdale – Palm Canyon – Yuma Proving Ground – Yuma
- Yuma – Imperial Sand Dunes – Anza Borrego Desert – San Diego
- San Diego – Point Yuma – Oceanside – Long Beach – Hollywood
- Venice Beach – South Central L.A. – Downtown Los Angeles – Hollywood
- Hollywood – Pasadena – Marina Del Rey
Prolog
Wird der Südwesten irgendwann langweilig? Wir glauben nein. Um aber sicherzugehen versuchen wir bei jeder Reise immer wieder andere Schwerpunkte zu setzen. War das letztes Jahr fast ausnahmslos eine Hiking- und Offroadtour durch Staub und Sand, so ist diesmal der Anteil der Städte größer. Wir werden nach all den Jahren zum ersten Mal nach San Diego kommen, das wir bisher immer links liegenlassen haben – zu Unrecht, wie sich herausstellen soll.
Außerdem nehmen wir uns mal wieder etwas mehr Zeit für Los Angeles – eine Stadt, die so überaus viel zu bieten hat und so kontrastreich ist und wo wir deshalb immer wieder sehr gerne sind. Ganz ohne Abenteuer geht es aber auch nicht und daher stehen auch wieder einige eher unbekannte Backroads auf dem Programm, auf denen unser Adrenalinpegel teilweise ganz schön steigen sollte.
Und nicht zuletzt steht diese Tour unter dem Motto „Movie Locations“. Für die über fünfzig Film-Drehorte, die wir in den nächsten knapp drei Wochen besuchen werden, steht „Brad Pitt“ im Reiseberichtstitel als Synonym. Passt halt gut in die Alliteration. Außerdem werden wir Bekanntes aus seinen Filmen „Sieben“, „Thelma & Louise“ und „Mr. & Mrs. Smith“ sehen. Da die Recherche für diesen Teil in der Vorbereitung mit Abstand die meiste Zeit gefressen hat, freuen wir uns hierauf ganz besonders.
Wer nun Lust bekommen hat uns zu begleiten und einige bisher im Internet wenig beschriebene neue Orte kennenzulernen, der ist wie immer herzlich eingeladen. Und los geht’s!

Anreisetag: Hannover – London – Los Angeles
Für nichts stehen wir so gerne mitten in der Nacht auf, wie für den Flug auf den geliebten Kontinent. Um kurz vor 5 Uhr holt uns zu Hause das vorbestellte Taxi ab und pünktlich um 6:15 Uhr startet unser Flieger am Airport Hannover in Richtung London-Heathrow. Für uns ist es wirklich ein Segen, daß es diese Verbindung mit British Airways seit letztem Jahr gibt.
Nach dem kurzen Flug und überpünktlicher Landung haben wir drei Stunden Zeit , um mit dem Bus von Terminal 1 zu Terminal 5 zu gelangen – Genug also, um englischen Boden zu betreten und außerhalb des Gebäudes etwas frische Luft zu schnuppern. Das geht dank der „e-passport gates“ auch wirklich sehr schnell und unkompliziert. Die Sicherheitskontrolle auf dem Weg zurück ist auch gut organisiert und so sitzen wir rechtzeitig vor dem Start ausgeruht auf unseren beiden reservierten Sitzen in der letzten Reihe der Boeing 747.
Kurz hinter Schottland zieht eine durchgängige Wolkendecke vor das Fenster, die sich erst über der Hudson Bay zeitweise wieder verzieht. Über den Great Salt Lake, Las Vegas und Barstow erreichen wir Los Angeles, das wie immer unter einer gut sichtbaren gelben Smogdecke liegt. Wir landen planmäßig um 12:30 Uhr Ortszeit.
Bis wir aussteigen können vergehen dreißig Minuten. Dafür geht es an der Immigration recht zügig, obwohl ziemlich viel los ist. Die hier gewonnene Zeit verlieren wir dann allerdings wieder beim Zoll. Hier sind die Kontrollen heute besonders gründlich und die Warteschlangen ziehen sich fast einmal durch die ganze Halle.
Bei Alamo schließlich ergattern wir den letzten 4×4 Jeep Liberty. Der Gute hat augenscheinlich schon ziemlich gelitten. Die Nachfrage bei der Store-Managerin bestätigt, daß dieses Exemplar gerade das einzige 4WD-Fahrzeug auf dem Hof ist. Und so erreichen wir um 15:30 Uhr mit unserem verschrammten, aber dafür „Trail gerateten“ Jeep unser Downtown-Stammhotel The Standard*.


Kurz frisch gemacht begeben wir uns auf einen Spaziergang durch die Umgebung. Der Pershing Square ist nur zwei Blocks entfernt und das hier stehende Millennium Biltmore Hotel* aus vielen Filmproduktionen bekannt.

Südöstlich des Platzes wird die Gegend etwas unglamouröser und es umwehen uns diverse Marihuana-Wolken. Ein paar hundert Meter die 5th Street hinunter erreichen wir das Alexandria Hotel. Anfang des 20. Jahrhunderts als Luxushotel erbaut, wurde es in den Siebziger Jahren zu einem sogenannten „Single Room Occupancy“-Hotel mit vielen Langzeitbewohnern aus den unteren Einkommensschichten. Während dieser Zeit war es berüchtigt für Drogenkriminalität und Gewalt.
Seit 2005 ist es mit neuen Besitzern ein Appartment- Gebäude. Warum interessieren wir uns nun aber hierfür? Es ist das Zuhause des Killers John Doe in David Finchers Thriller „Sieben“. Morgan Freeman und Brad Pitt klopfen eher zufällig hier an Does Tür und werden dabei von ihm überrascht, woraufhin sich eine Verfolgung quer durch den gesamten Komplex anschließt, die an den Feuerleitern des Gebäudes im strömenden Regen Ihren Höhepunkt findet.

Weiter laufen wir zu der etwa eine halbe Meile entfernten Lower Station des Angels Flight. Diese Seilbahn verbindet die Hill Street mit der höher gelegenen California Plaza. Sie war nach einem schweren Unfall mit einem Toten und sieben Verletzten neun Jahre lang bis 2010 geschlossen. Das Fahrticket kostet 50 Cent pro Person und einige Minuten später steigen wir an der California Plaza wieder aus.

Eine weitere halbe Meile Fußweg später erreichen wir wieder unser Hotel. Zum Essen gehen wir in die schräg gegenüber liegende “Sixth Street Tavern”. Hier sitzen wir schön draußen auf der kleinen Terrasse und Bier und Burger sind wirklich gut.
Die Rooftop-Bar auf dem Dach unseres Hotels ist um 19:30 Uhr schon gut gefüllt. Es gibt Live-Musik und kühles Bier. Und so schön es hier oben auch immer wieder ist: um kurz vor 22 Uhr müssen wir die Segel streichen, denn mehr als 24 Stunden auf den Beinen fordern jetzt ihren Tribut.
1. Tag: North Hollywood – Liebre Mountain – Lancaster – Vasquez Rocks – Palmdale

Für einen Morgen nach der Ankunft sind wir um 5:30 Uhr relativ spät wach. Der Blick durch das Fenster auf die noch menschenleeren Straßen verheißt wettermäßig nicht das Allerbeste: es ist sehr bewölkt und diesig. Bei Kaffee und Zigarette draußen vor der Tür stellen wir fest, daß es zumindest angenehm warm ist. Und diese angenehme Wärme werden wir uns im Verlauf der Reise noch manches Mal zurück wünschen.
Der Valet Runner, der uns um 7:15 Uhr unser Auto bringt, beeindruckt mich damit, dass er Hannover 96 kennt. Naja, mit Steven Cherundolo spielt hier ja auch seit dreizehn Jahren ein US-Nationalspieler. Außerdem ist er ein Filmfreund und freut sich, von unseren Plänen für den heutigen Tag zu hören.
Unser erstes Ziel ist die 4th Street Bridge über den Los Angeles River. Auf dem Weg dorthin durchqueren wir Skid Row, ein etwa anderthalb Quadratkilometer großes Gebiet von Downtown Los Angeles mit einer der größten beständigen Population von Obdachlosen in den gesamten USA. Die Bürgersteige sind hier gesäumt mit Zelten, Einkaufswagen und Pappkartons. Das Elend der bis zu 6.000 hier lebenden Menschen ist wirklich sichtbar und in dieser Größe und Konzentration in Deutschland nicht vorstellbar.
Das betonierte Flußbett des Los Angeles River kennt man vor allem aus Actionfilmen wie „Terminator 2“, „Nur noch 60 Sekunden“, „The Italian Job“ und „Drive“. Jede Autoverfolgungsjagd, die etwas auf sich hält, führt hier durch. Einen guten Blick hat man von der 4th Street Bridge. Wir parken am östlichen Ende der Brücke und gehen dann die paar Meter zu Fuß.
Südwestlich von Downtown fahren wir als nächstes zum Vagabond Inn Los Angeles at USC-Motel. Dies ist das Oklahoma City-Motel aus „Thelma & Louise“, in das Geena Davis, Susan Sarandon und Brad Pitt einchecken. Und auch mehr als zwanzig Jahre nach den Dreharbeiten ist es noch eindeutig identifizierbar. Leider versperrt mittlerweile ein neues Gebäude den Blick auf die hinter dem Poolkomplex früher sichtbare Skyline.

Wir fahren wieder zurück nach Downtown. Wann immer man in einem amerikanischen Actionfilm eine Tunnelszene sieht: die Wahrscheinlichkeit, dass sie im sogenannten 2nd Street Tunnel unter dem Harbor Freeway gedreht wurde ist sehr hoch. Aber auch für Auto-Werbespots und Musikvideos (z.B. Bon Jovis “It’s my Life”) ist er sehr beliebt.

Über den Hollywood Hills kommt jetzt so langsam die Sonne heraus und als wir um 9 Uhr das Wohngebiet südöstlich der Universal Studios erreichen sind die grauen Wolken komplett vertrieben. Von hier aus haben wir einen kostenlosen Blick aus der Vogelperspektive auf das „Krieg der Welten“-Set aus dem gleichnamigen Science-Fiction Thriller mit Tom Cruise von 2005. Und auch Das Bates Motel aus “Psycho” ist von hier gut zu sehen.

Nicht weit von hier steht mit dem El Royale Motel ein sehr schönes klassisches Gebäude, welches auch oft als Drehort benutzt wurde. Es besteht aus 15 schneeweißen Bungalows, die alle einen separaten Eingang und eine eigene Garage haben.

Wir lernen Robert kennen, der das Areal gerade erworben hat, nun alles renoviert und als Motel bald neu eröffnen will. Unsere Unterhaltung dauert fast eine Stunde und da wir bisher noch nichts gefrühstückt haben melden sich unsere knurrenden Mägen, weswegen wir den nächstgelegenen Denny’s aufsuchen.
Nach einer üppigen Mahlzeit fahren wir weiter nach North Hollywood. Liebhaber der US-Serie Sons of Anarchy kennen die fiktive Ortschaft Charming. Und ein großer Teil davon befindet sich hier. Sehr unscheinbar in einem Gewerbegebiet stehen die Studios und das Außengelände der „Teller-Morrow Autowerkstatt“ – dem Hauptquartier des Motorradclubs, um den es in der namensgebenden Serie geht. Und wie es der Zufall will, wird hier heute auch gedreht. Wir sehen Bobby aka Mark Boone Junior, der gerade das Set betritt. Immer wieder fahren Lastwagen Equipment auf das Gelände.

Uns wird es hier nun zu wuselig und so statten wir der Polizeistation aus der Serie einen kurzen Besuch ab. Diese befindet sich ebenso im unmittelbaren Umkreis wie das in Staffel 2 viel gezeigte und als Ladengeschäft getarnte Hauptquartier der Iren.
Und auch Bruce Willis‘ Appartment aus „Pulp Fiction“ ist nur ein paar Straßen entfernt. Leicht beunruhigend sind die beiden eisernen Pittbullterrier-Statuen, die das Haus gegenüber bewachen, vor dem wir unser Auto parken.
Archie’s Ranch Market ist der von Koreanern betriebene Lebensmittelmarkt aus „American History X“, der von Edward Norton und seiner Nazi-Gang überfallen wird. Das Gebäude hat sich im Laufe der Jahre etwas verändert, ist aber dennoch identifizierbar.
Unser weiterer Weg führt uns nun auf die Interstate 5 Richtung Norden, vorbei am Six Flags Magic Mountain* Vergnügungspark mit seinen weithin sichtbaren Achterbahnen. In den Bergen nordöstlich von Santa Clarita brennt es seit gestern und die dicken schwarzen Rauchschwaden verdunkeln den Horizont.
Bei mittlerweile 35°C erreichen wir Gorman, ein winziges Nest direkt an der Interstate 5. Außer zum Tanken würde hier wohl niemand von der Autobahn abfahren. Es sei denn, er wollte sich schon immer mal das Motor Inn Motel aus „Thelma & Louise“ anschauen. Dies steht nämlich genau hier – und das auch noch ziemlich unverändert. Mittlerweile wird es als EconoLodge betrieben und gerade teilweise renoviert.
Wir parken unseren Wagen auf der Rückseite des Gebäudes am Pool und während ich draußen ein paar Fotos mache geht Caro hinein, um zu fragen ob es möglich ist sich das Zimmer aus dem Film anzuschauen. Der Manager ist ausgesprochen freundlich und führt uns in das Obergeschoß zu Zimmer 222. Sehr unordentlich ist es hier, da es nicht vermietet wird und z.Zt. mehr als Abstellkammer dient. Auf dem Balkon fühlt man sich trotzdem wie Susan Sarandon und sieht förmlich vor seinem geistigen Auge Geena Davis unten am Pool liegen.

Auf dem Weg zu unserem heutigen Tagesziel Palmdale liegt mit dem Liebre Mountain Trail eine knapp dreißig Meilen lange Backroad durch den Angeles National Forest. Immer wieder ergeben sich auf dieser Strecke sehr schöne Ausblicke auf die Umgebung und auch das Wildfire liegt immer wieder im Blickfeld.




Nach ca. 90 Minuten kurzweiliger Fahrt haben wir um 15:30 Uhr wieder Asphalt unter den Rädern. Auf den Hügeln rund um den Elizabeth Lake zeigen sich uns einige sehr schöne Häuser und kurze Zeit später erreichen wir unser nächstes Ziel: das Feld mit den tausend Hochspannungsmasten aus der Schlußszene von David Finchers Thriller „Sieben“. Für uns ist dies einer der besten Filme aller Zeiten, vor allem auch wegen des eindrücklichen und eindringlichen Endes. Und das spielt genau hier.
Ich wusste, dass dieses Feld irgendwo in den unendlichen Weiten der Wüste um Lancaster liegt. Für die Recherche des genauen Ortes brauchte ich dennoch unzählige Stunden. Mithilfe einer Luftaufnahme aus dem Film und Satellitenbildern fand ich schließlich das Quadrat in dem Schachbrett an Straßen um die Stadt, in dem das Feld liegen mußte. Vor Ort nun stellen sich die Ausmaße der Örtlichkeit aber nochmal deutlich größer dar. Wir verlassen den Asphalt und begeben uns auf einer fast nicht sichtbaren Fahrspur immer weiter hinein in die Einöde.

Drehort der Schlußszene des Thrillers „Sieben“
Nach diesem Erfolgserlebnis gilt es nun, den Grundeinkauf zu erledigen. Dafür beehren wir den Walmart in Lancaster und laden dreißig Minuten später nicht unerhebliche Mengen Getränke und Snacks in unseren Kofferraum. Unser Hotel liegt auf dem Weg und so checken wir schon mal ein und fahren dann weiter auf dem Highway 14 Richtung Agua Dulce.
Der Vasquez Rocks Natural Area Park beherbergt eine der meistgefilmten Gesteinsformationen und die Liste hier gedrehter Filme und Serien ist nahezu unendlich. Das Gate zum Parkplatz ist abends schon geschlossen und so stellen wir den Wagen an der Strasse ab und begeben uns auf den gut markierten Trail durch das Gelände des Parks.

Der Rauch des nahen Wildfires verändert das Farbspiel der Wolken zum Sonnenuntergang und als es schließlich dunkel ist fahren wir zurück nach Palmdale und kehren im örtlichen Applebee’s zum Essen ein. In der Stadt und auf den Parkplätzen vor den Hotels wimmelt es nur so von Feuerwehrmännern mit ihren Löschzügen, die zur Bekämpfung der Waldbrände aus der ganzen Umgebung zusammengezogen wurden. Nach einigen weiteren kühlen Bierchen im Hotel endet ein ereignisreicher Tag um Mitternacht.
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