16. Tag: San Diego – Point Yuma – Oceanside – Long Beach – Hollywood

Ein Blick aus dem Fenster um 6:30 Uhr zeigt: San Diego schläft noch. Wir kochen uns einen Kaffee und treten für eine Zigarette auf die Straße. Die Spuren der Nacht sind nebenan vor dem House of Blues noch deutlich zu sehen. Das inkludierte Frühstück gibt es im Hotel-Restaurant „Saltbox“ und es ist auch hier wieder sehr Obst-lastig. Wir merken, dass wir die letzten Nächte wenig Schlaf bekommen haben und lassen es heute dementsprechend ruhig angehen. Um 10 Uhr checken wir aus, holen unseren Wagen gegenüber aus der Parkgarage und machen uns auf den Weg Richtung Hafen.

Unweit der Seaport Village Station liegt das Kansas City Barbecue. Dieses Restaurant ist ein gutes Beispiel dafür, wie man auch fast dreißig Jahre später seine als Film-Drehort gewonnene Bekanntheit noch vermarktet. Zwei Szenen des 1986er Klassikers „Top Gun“ spielen hier: die Darbietung von „Great Balls of Fire“ durch Tom Cruise und Anthony Edwards am Piano und das Ende des Films, als Kelly McGillis ihren Helden hier überrascht und das gemeinsame Lieblingslied schließlich aus der Jukebox erklingt. Sowohl Piano als auch Jukebox sind – trotz eines Brandes im Jahr 2008 – noch immer zu besichtigen, genauso wie unzählige Top Gun-Devotionalien an den Wänden.
Wir fahren weiter zur USS Midway, wo wir unseren Wagen für 10$ parken. Das hätten wir auf der anderen Straßenseite auch günstiger haben können, aber das merken wir erst später. Dieser Flugzeugträger war von 1945 bis 1992 im Dienste der Navy auf den Weltmeeren im Einsatz und nahm u.a. an Vietnam- und Zweitem Golfkrieg teil. Nachdem die Midway nach Außerdienststellung eigentlich zur Verschrottung vorgesehen war setzte sich eine Gruppe Freiwilliger für den Erhalt ein und sammelte Spenden. Und so kann sie seit Januar 2004 als Museumsschiff besichtigt werden.

Wir schlendern erstmal durch den Tuna Harbor Park, von dem aus man einen tollen Blick auf den nördlichen Teil der Bucht und die Naval Base Coronado hat. Hier liegen heute die beiden Flugzeugträger USS Carl Vinson (CVN-70) und USS Ronald Reagan (CVN-76) vor Anker.
Die USS Carl Vinson ist seit 1982 im aktiven Dienst der Marine und hat in San Diego ihren Heimathafen. Von ihr aus wurden nach den Terroranschlägen vom 11. September die ersten Angriffe auf Afghanistan geflogen. Und auch der Leichnam Osama Bin Ladens wurde am 2. Mai 2011 vom Deck der Vinson aus im Arabischen Meer bestattet. Die USS Ronald Reagan ist ebenso wie die Vinson ein Schiff der Nimitz-Klasse und damit eines der z.Zt. zehn größten Kriegsschiffe der Welt. Es wurde im Juli 2003 in Dienst gestellt und kann 85 Luftfahrzeuge aufnehmen. Mehr als 5.600 Menschen arbeiten an Bord.
Sowohl das „Bob Hope Memorial“ als auch die „Unconditional Surrender“-Statue bieten weitere schöne Fotomotive an der Nordseite des Parks. Wir gehen weiter am Fish Market Restaurant vorbei auf die südliche Seite, von wo aus man auf die kleinen Yachten im Tuna Harbor und auf die Coronado Bridge blickt.


Während wir hinüber laufen zum Broadway Pier fliegt über uns die ganze Zeit ein Polizeihubschrauber, der per Lautsprecherdurchsage Hinweise auf eine auf der USS Midway vermisste 77-jährige Dame erbittet. Vom Broadway Pier aus hat man einen schönen Blick auf die Skyline. Immer wieder tauchen zwischen den Hochhäusern Flugzeuge im Landeanflug auf den San Diego International Airport auf. Vor uns liegt hier auch die „Luna“, eine 115 Meter lange und 2010 in der Lloyd Werft Bremerhaven fertiggestellte Mega-Yacht. Ihr Besitzer ist Roman Abramowitsch, der russische Milliardär und Besitzer des FC Chelsea.

So langsam wird es nun richtig warm und bevor wir weiterfahren Richtung Point Loma ziehen wir uns im Auto noch etwas luftigere Klamotten an. Point Loma ist eine Halbinsel, die einen natürlichen Schutzwall am Eingang der San Diego Bay bildet und an dessen Ende das Cabrillo National Monument liegt. Von dem Park aus haben wir für 5 $ Eintritt einen phantastischen Blick auf die Bucht, den Hafen, Coronado und die Skyline von San Diego.



Um kurz nach 13 Uhr brechen wir wieder auf. Auf der Interstate 5 geht es sehr schleppend voran, eigentlich nur im „stop and go“. Das bleibt auch hinter San Diego so und zehrt schnell ziemlich an den Nerven. Ganz Kalifornien scheint heute genau hier unterwegs zu sein. Nach vierzig Meilen verlassen wir für einen kurzen Stopp in Oceanside die Interstate. Diese Stadt mit seinen fast 200.000 Einwohnern ist ein typischer kalifornischer Küstenort mit einem sehenswerten Pier.

Wer den Film „Top Gun“ mehr als dreimal gesehen hat, der hat wohl die Szene vor Augen, in der Tom Cruise mit seinem Motorrad zum Sonnenuntergang vor Pazifik-Kulisse am Haus seiner Charlie vorfährt. Genau dieses Haus steht hier. Kelly McGillis gefiel es hier so gut, dass sie das Haus während der gesamten Dreharbeiten tatsächlich bewohnte. Heute ist das Gebäude in einem recht traurigen Zustand. Aber immerhin steht es noch, denn alle umliegenden Häuser sind mittlerweile abgerissen, um einer Resortanlage Platz zu machen.

Zurück auf der Interstate reihen wir uns wieder in die endlose Blechlawine ein. In Laguna Hills fahren wir abermals ab, um zu tanken. Die erste Tankstelle, die wir ansteuern akzeptiert keine Kreditkarten. Das haben wir auch noch nicht erlebt. Mit Wechsel auf die Interstate 405 normalisiert sich dann aber die Verkehrslage so langsam und wir kommen zum ersten Mal heute zügig voran. Um 17:15 Uhr erreichen wir Westminster. Dieser Vorort von Los Angeles hat einen sehr hohen Anteil asiatischer Einwanderer, vor allem aus Vietnam. Und so wundert es nicht, daß sich hier auch das „Chinesische Tor“ aus dem Action-Film „The Fast & The Furious“ befindet.
8 Drehorte in und um Long Beach

Keine halbe Meile weiter westlich stehen am hinteren Ende eines großen Parkplatzes die chinesischen Statuen, an denen im selben Film Bösewicht Johnny Tran und seinen Kumpanen den Wagen von O’Conner (Paul Walker) in die Luft gehen lassen.


Wir fahren weiter nach Long Beach. Die Schulschwänzer-Komödie „Ferris macht blau“ mit Matthew Broderick als Ferris Bueller habe ich – wie wahrscheinlich viele andere – als Heranwachsender geliebt und unzählige Male gesehen. Sein Wohnhaus aus dem Film steht noch heute nahezu unverändert in einer ruhigen Wohnstraße.
Nur zwei Straßen weiter steht das Haus von Michelle a.k.a. Ferienlager-Flötenspielerin aus den „American Pie“-Filmen. Und wiederum nur einen Steinwurf entfernt steht auch das Haus ihres Filmpartners Jim, welches Schauplatz der berühmten Kuchenszene ist und in allen Teilen der Reihe recht häufig zu sehen ist.

Um 19:30 erreichen wir Hollywood und den Sunset Strip und damit unser Hotel The Grafton on Sunset für die letzten beiden Nächte. Wir geben unseren Wagen vertrauensvoll in die Hände unseres Valet Runners und beziehen ein Eckzimmer mit tollem Blick auf die Stadt. Bis wir uns gemütlich eingerichtet haben vergehen fast zwei Stunden. So ist es 21:30 Uhr als wir die paar Schritte hinüber zur Saddle Ranch laufen. Hier waren wir 2006 schon mal und wissen, was wir bekommen: nämlich vernünftiges Essen zu recht ordentlichen Preisen und vor allem tolle Terrassenplätze mit Blick auf das Treiben.
Heute ist allerdings Wochenende und so müssen wir auf diese mehr als dreißig Minuten warten. Wir postieren uns draußen vorm Hintereingang. Davor ist auch das Valet Parking und das bietet uns ein Schauspiel erster Güte. Unfassbar, was für Leute hier welche Autos vorfahren. Und welches Gehabe die meisten an den Tag legen – erstaunlich! Die Wartezeit vergeht so jedenfalls schnell. Die kostenlose Zuckerwatte zum Dessert lehnen wir dankend ab und gönnen uns stattdessen noch einen Cocktail. Um 0:30 Uhr sind wir wieder im Hotel und fallen todmüde ins Bett.
17. Tag: Venice Beach – South Central L.A. – Downtown L.A. – Hollywood
Der Kaffee aus der Lobby ist hier im Grafton ausgesprochen lecker. Deshalb trinken wir heute Morgen gleich drei davon und ich muss immer wieder runter um Nachschub zu holen. Draußen ist es leider total diesig und die Sonne lässt sich auch noch nicht blicken. Um 9:30 Uhr fährt der Valet Runner unseren Wagen vor und wir machen uns auf in Richtung Pazifikküste. Die Straßen sind schön leer.
Unser erster Stopp ist „Rae’s Restaurant“ in Santa Monica. Seit 1958 ist es bis heute bekannt für seine hausgemachten Speisen und sehr günstigen Preise. Das typische Sechziger-Jahre-Diner Exterieur bescherte dem Lokal zahlreiche Auftritte in Filmen, Musikvideos und Werbespots. Ben Stiller und Owen Wilson aßen hier in „Starsky & Hutch“ ebenso wie Christian Slater und Patricia Arquette in „True Romance“, Steve Martin in „Bowfingers große Nummer“ und Madonna in „The Next Best Thing“. Auch das Cover von Elton John’s Album „Songs from the West Coast“ wurde hier photographiert.

Es geht weiter Richtung Venice. Zwischendurch fahren wir direkt auf den Pazifik zu. An den Stränden ist schon einiges los. Um 10:30 Uhr parken wir unseren Wagen am Ende der Windward Avenue. Ein perfekter Parkplatz, denn er ist heute um diese Zeit kostenfrei und es sind nur wenige Meter bis zum Boardwalk. Diese typische Venice- Atmosphäre zieht einen gleich wieder in seinen Bann.



Wir laufen den Oceanfront Walk erstmal hoch bis zum „On the Waterfront“-Cafe. Hier arbeitet Hillary Swank a.k.a. Maggie in Clint Eastwoods Meisterwerk „Million Dollar Baby“ als Kellnerin. Am Strand entlang gehen wir wieder zurück Richtung Windward-Arkaden. Artwall, Skatepark und die Basketball-Courts gehören auf dem Weg genauso zu einer vernünftigen Venice Beach-Stipvisite wie der unvermeidliche Muscle Beach.
Unser nächstes Ziel liegt eine halbe Meile südlich. Die Venice Canals wurden vor über einhundert Jahren erbaut, um sich der italienischen Namensvetterin etwas ähnlicher zu machen. An diesen wollen wir eigentlich noch etwas entlang schlendern. Nur leider finden wir partout keinen Parkplatz. Hätten wir den Wagen mal lieber an der Windward Avenue stehen gelassen und wären zu Fuß hierher gelaufen. Naja, so reicht es nur zu einem ganz kurzen Fotostopp.

So sind wir etwas zu früh an der Church of Saint Mark ein paar Blocks weiter. Hier ist gerade die Messe zu Ende und die Leute stehen vor der Kirche und plaudern. Nicht die besten Vorraussetzungen für ein Foto. Wir nutzen die Zeit für einen kleinen Snack im benachbarten McDonald’s. Als wir zurückkommen sind die meisten Leute weg. Die Kirche interessiert uns deshalb, da sie ebenso Schauplatz des oben schon erwähnten Films „Million Dollar Baby“ ist. Clint Eastwood kommt im Film immer wieder hierher, um den Priester zu nerven uns seine Zwiegespräche mit ihm zu führen.

Auf der Weiterfahrt halten wir kurz beim gut sortierten Harley Davidson-Händler in Marina Del Rey und erreichen um kurz nach halb eins „Randy’s Donuts“ in Inglewood. Hier wollen wir nicht etwa schon wieder essen, sondern vielmehr den berühmten überdimensionalen Donut auf dem Dach bewundern, der in einer Vielzahl von Filmen wie z.B. „Iron Man 2“, „Volcano“ oder „Mars Attacks!“ zu sehen war. Seit 1953 gibt es diesen legendären Laden schon und wenn man auf der richtigen Seite im Flieger sitzt, kann man ihn meist beim Landeanflug auf LAX aus dem Flugzeugfenster sehen.

Wir fahren auf die Florence Avenue und folgen dieser für etwa vier Meilen ostwärts zu unserem ersten Ziel in South Los Angeles. Dieser Bezirk von L.A. hieß bis 2003 noch South Central, wurde dann aber offiziell von der Stadt umbenannt, um den überaus schlechten Ruf des Bezirks loszuwerden.
Vor „Tom’s Liquor Store“ an der Kreuzung Florence & Normandie parken wir. Wenn man sich für die jüngere Geschichte L.A.’s interessiert ist dies hier ein Ort, der einem durchaus bekannt ist, da er im Zusammenhang mit den als L.A. Riots bekannten Unruhen von Los Angeles im Jahr 1992 zu trauriger Berühmtheit gelangte. Als Ort der ersten Gewaltauswüchse gilt die Kreuzung, an der wir nun stehen. Lese unseren ausführlichen Artikel über das alles und vieles mehr hier:
South Central L.A.
Wir folgen weiter der Florence Avenue, wo nun immer mehr Streifenwagen an den Kreuzungen stehen und Präsenz zeigen. Über die South Central Avenue erreichen wir dann unser nächstes Ziel: die Watts Towers im gleichnamigen zu South L.A. gehörigen Stadtteil.
Um 13:30 Uhr sind wir hier. Wir parken vor einem Haus, aus dem laute Rockmusik nach draußen dringt. Da hätte ich hier eine andere Musikrichtung erwartet. Vor den Türmen steht eine Art Amphitheater, von deren Tribüne aus wir das Kunstwerk bestaunen. Die Restaurierungsarbeiten sind noch in vollem Gange, so dass leider ein Bauzaun eine noch nähere Inspektion verhindert.
Weiter geht es nach Lynwood. Äußerlich fast unverändert und heute von einer mexikanischen Kette betrieben steht hier der aus dem 1993er Klassiker „Falling Down“ bekannte Burgerladen (im Film „Whammy Burger“).

Richtung Downtown wird der Verkehr nun gleich merklich dichter. In der San Pedro Street gibt es über die Länge fast eines Blocks Blumengeschäfte unter grünen Markisen. Vor diesen treffen im Thriller „Sieben“ Brad Pitt und Morgan Freeman das erste Mal aufeinander und „verstehen“ sich auf Anhieb. Als Fotomotiv gibt das hier aber recht wenig her und so fahren wir recht schnell wieder weiter.


„L.A. Live“ ist ein Entertainment Complex mit Konzerthallen, Hotels, Bars, Kinos, Restaurants und Apartments. Mittelpunkt bildet die mehr als dreieinhalbtausend Quadratmeter große Nokia Plaza mit seinen riesigen LED-Leinwänden. Es gibt Pläne auch wieder ein NFL-Team in Los Angeles anzusiedeln, dessen Stadion dann auch auf dem Areal gebaut würde. Die Namensrechte sind bereits vergeben: Farmers Field. Es soll mehr als 72.000 Plätze haben und nach heutiger Planung 2016 fertiggestellt sein.

Gegenüber liegt das Staples Center. Diese 1999 eröffnete Multifunktionsarena bietet Platz für bis zu 20.000 Zuschauer und ist u.a Heimstätte der NBA-Teams Lakers und Clippers sowie des NHL-Teams Kings. Vor dem Eingang des Team-Shops stehen goldenen Statuen der Lakers-Legenden Earvin „Magic“ Johnson und Kareem Abdul-Jabbar. Im Laden selber werden wir heute aber nicht fündig.


Um Kurz vor vier holen wir unseren Wagen wieder aus der Tiefgarage und fahren zum MacArthur Park westlich des Financial District. Dies ist einer unserer Lieblingsplätze in L.A., denn es gibt wohl kaum einen schöneren Blick auf die Skyline als vom südwestlichen Ende des Parks mit See und Fontäne im Vordergrund.

Nur extrem voll ist es hier heute. Es ist Father’s Day und überall wird in großen Gruppen gefeiert und gegessen. Aufmerksamen Filmfans ist der Park vielleicht aus Streifen wie „Drive“, „Volcano“ oder „Falling Down“ bekannt.
Wesentlich kleiner, aber auch sehr schön ist der fünf Fahrminuten entfernte Vista Hermosa Park. Er bietet unter seinen Bäumen viele schattige Plätzchen und einen etwas näheren Blick auf L.A.’s Skyline. Und auch wenn sich baulich seitdem einiges getan hat: es ist der Ort, an dem vor zwanzig Jahren Michael Douglas in „Falling Down“ auf seinem Stein gesessen hat und mit Baseballschläger und Butterfly-Messer die beiden Latino-Gangster aus ihrem vermeintlichen Territorium verjagt.

Um 17 Uhr verlassen wir nach einem entspannten Spaziergang den Park wieder. Nicht weit entfernt befindet sich mit der Carroll Avenue eine Straße, die aufgrund ihrer vielen viktorianischen Häuser immer wieder in Film und Fernsehen auftaucht. Die beiden Bekanntesten sind sicherlich das Haus aus Michael Jacksons Video zu „Thriller“ und das Heim der hexenden Halliwell-Schwestern aus der Serie „Charmed“ mit Alyssa Milano und Shannen Doherty.
Wenige Minuten entfernt befinden wir uns abermals mitten in „The Fast & The Furious“. Bob’s Market ist im Film das „Toretto’s“. Das Wohnhaus der Torettos wiederum ist auch nur ein paar hundert Meter entfernt. Hier treffen wir auf einen jungen asiatischen Tuning-Freund, der ebenso wie wir auf der Spur des Films ist und mit dem wir ein paar nette Worte wechseln.

Ein Highlight jagt heute das nächste und so stehen wir Minuten später im Everett Park. Von hier haben wir einen tollen Blick auf die Skyline von L.A. und sehen vor unserem geisigen Auge die fliegenden Mini Cooper aus „The Italian Job“.

Einen Tag voller Movie Locations beschließen wir fürs erste mit einem weiteren Schauplatz aus „The Fast & The Furious“. Vor dem Wandgemälde unter der Unterführung des Sunset Boulevard endet ein Verfolger von Paul Walker mit seinem Motorrad am Schluß des Films. Die gemalten Porträts sind bis heute praktisch unverändert.


Der Weg zurück nach Hollywood zieht sich etwas. In der Hollywood Bowl findet heute das Playboy Jazz Festival statt und dementsprechend ist der Verkehr. Wir stoppen kurz im Highland Center, weil wir Lust auf einen Frappuccino von Starbucks haben. Um kurz nach 19 Uhr sind wir schließlich wieder im Hotel. Wir ziehen die Videos und Fotos der letzten Tage auf den Laptop und stellen fest, dass es durchaus Sinn macht dies regelmäßiger zu tun. Nebenbei schauen wir die Highlights des 5. Spiels der NBA Finals zwischen Miami und San Antonio, welches die Spurs gewinnen und mit 3:2 in Führung gehen.
Um 21 Uhr machen wir uns zu Fuß wieder auf den Weg. Heute gehen wir den Sunset Strip zur anderen Seite herunter. An der Sunset Plaza liegen zwei an griechische Tempel erinnernde Gebäude, die im Klassiker-Gangsterepos „Scarface“ zum Imperium von Toni Montana (Al Pacino) gehören.
Kurz vor Whiskey A Go-Go und Viper Room waren wir 2006 in einer ganz netten Bar. Die gibt es mittlerweile leider nicht mehr, wie wir enttäuscht feststellen. Zum Essen finden wir hier auch kein passendes Restaurant. Die meisten Läden haben Tischdecken und das schreckt uns ab. Also kehren wir nochmals in die Saddle Ranch ein. Heute ist es deutlich ruhiger und wir bekommen sofort einen Tisch auf der Terrasse. Um 23 Uhr sind wir wieder zurück im Hotel. Wir packen schon mal grob unsere Taschen, trinken ein allerletztes Bierchen auf die letzte Nacht und gehen um 0:30 Uhr schlafen.
Letzter Tag: Hollywood – Pasadena – Marina Del Rey
Der letzte Morgen. Man kann sich gar nicht aufraffen. Da hilft auch der wiederum leckere Kaffee nichts. Wir trödeln ausgiebig und kommen erst um 9:30 Uhr los. Es sind gerade einmal 19°C und der Himmel ist sehr bedeckt. Und so präsentiert sich uns das Emser Tile Building heute nicht in seiner ganzen schneeweißen Schönheit. Dieses 1925 errichtete Gebäude liegt unweit des Sunset Strip und spielt die Hauptrolle in einer der bekanntesten Szenen im ersten „Lethal Weapon“-Film. Mel Gibson nimmt in dieser weder Treppe noch Fahrstuhl auf dem Weg zurück vom Dach auf die Straße.
Praktisch gleich daneben liegt mit „Barney’s Beanery“ ein aus Film und Fernsehen bekanntes Restaurant, welches z.B. Quentin Tarantino zu seinen Stammgästen zählt.
Zwei Blocks vom Hollywood & Highland Center entfernt befindet sich in einer recht unglamourösen Seitenstraße Julia Roberts Motel aus der 1990er Romanze „Pretty Woman“.

Wir mögen ja Murals. Deshalb fahren wir als nächstes zum „You are the Star“-Wandgemälde. An das Gebäude an der südöstlichen Ecke der Kreuzung Hollywood & Wilcox malte der Mural-Artist Thomas Suriya 1983 die bis dahin berühmtesten Schauspieler und Filmfiguren – 71 an der Zahl, darunter E.T., Charlie Chaplin, Marylin Monroe, Liz Taylor, John Wayne, Superman und R2D2. Sie bilden das Publikum in einem Theater und schauen den Betrachter an. Verkehrte Welt sozusagen. Deshalb nannte er sein Kunstwerk „You are the Star“.
Im Jahr 2007 restaurierte er sein über ein Vierteljahrhundert etwas blaß gewordenes Werk. Einen Filmauftritt hatte es auch: in dem 1999er Thriller „8MM – Acht Milimeter“ hält Nicolas Cage hier bei seiner Ankunft in Hollywood. Der Schriftzug war übrigens nie Bestandteil des Bildes – außer am Tag der Dreharbeiten.
Wir stoppen kurz beim Beverly Center, trinken bei Starbucks für freies WLAN einen Kaffee und sehen, daß unser Flug eine halbe Stunde Vespätung hat. Um 12:30 Uhr brechen wir auf in Richtung Pasadena. Unser erster Stopp ist kurz vor South Pasadena. Hier wollen wir eine Szene aus einem unserer Lieblingsfilme nachstellen: Quentin Tarantinos „Kill Bill“. Vernita Green (Vivica A. Fox) ist das erste Mitglied des Kommandos „Tödliche Viper“, das Uma Thurman von ihrer Todesliste streichen kann.
Vor dem Haus der Greens, in dem der tödliche Messerkampf zwischen den beiden Frauen stattfindet, befinden wir uns nun. Nur leider sind die Parkplätze, welche wir für das Nachstellen der Szene benötigen leider belegt. Caro als Uma Thurman kommt trotzdem für ein Bild zum Einsatz.

8 Drehorte zwischen Pasadena und San Fernando Valley
Nächstes Ziel ist das Haus aus der Kömödie „Vater der Braut“ von 1991 mit Steve Martin in seiner wohl besten Rolle. Keine zwei Meilen entfernt liegt die Villa von Angelina Jolie und Brad Pitt aus der Actionkomödie „Mr. & Mrs. Smith“ von 2005. Parken darf man hier leider nicht, weswegen mein Auftritt als Brad Pitt im Bademantel leider ausfallen muss.
Das Brauthaus aus „Hangover“ steht auch hier in Pasadena. Leider versperrt ein großes Tor und üppige Vegetation einen besseren Blick auf das Gebäude.
14 Uhr ist es mittlerweile. Wir müssen unsere Taschen noch endgültig flugtauglich packen und brauchen dafür etwas Platz. Dafür bieten sich die riesigen Parkplätze rund um die Rose Bowl an, die wir daher nun ansteuern. Dieses traditionsreiche riesige Stadion im Norden Pasadenas bietet Platz für über 90.000 Zuschauer und war Austragungsort des Finales der Fußball-WM 1994. Jedes Jahr am Neujahrstag findet hier das Spiel um den Rose Bowl im College Football statt. Depeche Mode filmten hier 1988 ihren legendären Konzertmitschnitt „101“ und U2 einundzwanzig Jahre später ihr Konzert im Rahmen der 360°-Tournee.
Wir schaffen es tatsächlich all unser Gepäck in zwei Taschen unterzubringen. Mittlerweile ist es auch richtig warm geworden. Der Hunger führt uns zum nächstgelegenen McDonalds. Die erste Mahlzeit des Tages – schmeckt! Wir tanken trotz inklusiver erster Tankfüllung lieber noch einen kleinen Schluck, da die Nadel im roten Bereich ist und wir doch noch die ein oder andere Meile zu fahren haben bis zu Alamo. In Höhe von Downtown hängen wir eine Weile im stockenden Verkehr. Auf den elektronischen Info-Tafeln wird verkündet, daß es heute morgen in Long Beach einen schlimmen Motorradunfall gab und man beim Spurwechsel doch besonders auf Biker achten möge.

Um kurz vor 18 Uhr erreichen wir schließlich den Yachthafen von Marina Del Rey. Hier gibt es am Basin D des künstlichen Hafens einen kleinen Sandstrand – den Mother’s Beach. Und dieser eignet sich wegen der Nähe zum Flughafen perfekt, um kurz noch mal die Füße in den Sand zu stecken, die letzten Tage Revue passieren zu lassen und einfach Abschied zu nehmen von einer tollen Stadt und einer wieder einmal aufregenden und erlebnisreichen Reise.


Um 18:30 Uhr fahren wir bei Alamo auf den Hof. Nachdem wir alle unsere Sachen entladen haben steht nur noch die Kühlbox im Kofferraum. Ob wir die mitnehmen wollen oder er sie haben könne, fragt der junge Mann, der unseren Wagen entgegen nimmt und uns auscheckt. Natürlich kann er sie haben, auf diese Frage hatten wir spekuliert. Er freut sich sehr und bringt sie gleich irgendwo nach hinten in eines der Gebäude. Eine halbe Stunde später sitzen wir im Shuttle zum Flughafen, checken ein, essen etwas und rauchen die letzte Zigarette vor der Tür.
An der Sicherheitskontrolle ist nicht viel los. Erstmals bekommen wir es mit dem berüchtigten „Nacktscanner“ zu tun. Man muss die Arme nach oben strecken und der Kontrolleur am Monitor sieht an einem stilisierten menschlichen Körper anhand von gelben viereckigen Markierungen, wo genauer geschaut bzw. von Hand nachkontrolliert werden muss. Ich kann ohne weitere Beachtung durch, Caro hat wieder irgendwo irgendwelche Knöpfe, die genauer begutachtet werden müssen.
Das Boarding beginnt pünktlich und schnell sitzen wir auf unseren reservierten Plätzen in der letzten Reihe des Fliegers. Extrem warm ist es und die Sitze sind schon recht durchgesessen. Trotzdem schaffe ich es – nach einem recht guten Essen und zwei Gläsern Wein – zum ersten Mal fast den gesamten Flug durchzuschlafen. Eine Stunde vor Landung werden wir wach. Nach den üblichen Warteschleifen über London landen wir um 16:05 Uhr in Heathrow. Mehr als fünf Stunden müssen wir nun bis zu unserem Weiterflug überbrücken.
Mit dem Bus geht es hinüber zum Terminal 1, wo wir uns erstmal frisch machen. Im AMT-Cafe vertreiben wir uns die Zeit mit kostenfreiem WLAN, auf das man hier als Heathrow-Rewards Mitglied 90 Minuten Zugriff hat. Zwischendurch gehen wir immer mal wieder vor die Tür an die frische Luft. Entgegen unserer Erwartung vergeht die Zeit doch relativ schnell. An der Sicherheitskontrolle wird Caro abermals heraus gewunken. Ihr Fotorucksack muss einer näheren Untersuchung unterzogen werden. Und tatsächlich: wir hatten vergessen, die kleine Flasche Lenscleaner in den Flüssigkeitsbeutel zu tun. Dies haben wir auf den zehn Flügen vorher aber auch jedes Mal vergessen. Heute fällt es also zum ersten Mal auf. Verrückt!
Die Maschine nach Hannover ist gut gefüllt und der Pilot erzählt, dass es bei Landung in Hannover noch 22°C sein wird. Erfreulich! Morgen sollen es 35°C werden. Weniger erfreulich. Denn wir müssen morgen gleich wieder arbeiten und hätten uns über etwas angenehmere klimatische Bedingungen zum Start gefreut. Mit etwas Verspätung starten wir um 21:30 Uhr und fliegen schnell dem Sonnenuntergang entgegen. Freunde erwarten uns bei Ankunft in Hannover. Die Freude sie wiederzusehen lindert etwas die Traurigkeit, dass wir erst in neun Monaten zurückkehren werden. Dann nach Texas und New Orleans.
Dir Vielen Dank fürs Mitfahren und bis zum nächsten Mal!


