Ein Traumziel für alle Liebhaber einzigartiger Landschaften ist die mittlerweile weltbekannte The Wave in den Coyote Buttes North. Sie liegt etwas südlich der Grenze von Utah und Arizona ungefähr auf halber Strecke zwischen den Orten Kanab, UT und Page, AZ. Das Gebiet gehört zur Paria Canyon – Vermillion Cliff Wilderness und ist eines der am strengsten geschützten zugänglichen Naturschutzgebiete der USA.
The Wave selbst ist eine einzigartige Sandsteinformation, welche – es wird Dich nicht wundern – an eine Welle erinnert. Die Formen und Farben ebendieser aber auch die Umgebung drumherum sind von überwältigender Schönheit.

Wir hatten bisher drei Mal das Glück, dieses Naturwunder zu besuchen. Und Glück braucht es dafür, denn der Zugang ist streng limitiert und die Berechtigungen für das Betreten des Gebiets – die sogenannten Permits – werden in einer Lotterie verlost. Durch ein zweigleisiges Permit-System ist der Zutritt beschränkt auf 64 Personen und/oder maximal 16 Gruppen pro Tag.
Die Einhaltung wird von patrouillierenden Rangern streng kontrolliert. Wird man ohne gültiges Permit angetroffen drohen empfindlich hohe Geldstrafen und Touristen zusätzlich eine lebenslange Einreisesperre in die USA. Die genaue Funktionsweise des Systems und wie Du an der Verlosung der Permits teilnimmst erkläre ich Dir gleich. Davor aber ein kurzer Blick zurück:
Die Geschichte der Wave-Lottery
Wir haben die Wave und die Coyote Buttes North zum ersten Mal 2006 besucht. Zu dieser Zeit galt Sie noch als absoluter Geheimtipp. Auf ein paar privaten USA-Homepages wurde das erste Mal über sie berichtet und Fotos gezeigt. Auch wir haben erst so von Ihrer Existenz erfahren. Und es war sofort klar: da müssen wir hin! Damals war zwanzig Personen am Tag der Zugang gestattet. Zehn Permits wurden im Vorfeld online verlost und die anderen zehn als „Walk-In-Permits“ jeweils am Vortag um 9 Uhr morgens in der winzig kleinen Paria Contact Rangerstation in der Nähe der kleinen Ortschaft Big Water, UT vergeben. Waren mehr als zehn Personen um diese Uhrzeit anwesend wurde gelost.
An dem Tag, als wir hier unsere beiden ersten Permits gewonnen haben, waren wir insgesamt 16 Bewerber. Auf dem Tisch stand also eine kleine Bingotrommel mit nummerierten Tischtennisbällen. Jeder Gruppe (die aus 1 bis maximal 6 Personen bestehen durfte) wurde eine Zahl zugeordnet und die Ziehung begann, humorvoll moderiert von den beiden diensthabenden Rangern. Die glücklichen Gewinner bekamen danach eine Sicherheitsunterweisung und es wurde die bebilderte Wegbeschreibung für die Wanderung am nächsten Tag mitgegeben.

Im Jahr darauf hatten wir abermals das riesige Glück, das Gebiet erwandern zu dürfen. Dieses Mal ergatterten wir die Permits in der Online-Verlosung vier Monate vorher. Die Zahl der täglichen Bewerber um die Walk-In-Permits war mittlerweile auf bis zu 100 Personen angewachsen. Die handgeschriebene Statistik für jeden Tag hing immer an der Eingangstür der Rangerstation. Mit jedem neuen Foto und Bericht im Internet wurde The Wave und die Coyote Buttes North bekannter.
Eine Welle bricht langsam los
Gleichzeitig zogen auch die beiden anderen Highlights im nicht weit entfernten Städtchen Page, AZ – Antelope Canyon und Horseshoe Bend – eine schnell wachsende Anzahl von Besuchern an. War Page Anfang der 2000er Jahre noch ein relativ verschlafenes Nest – beliebt eher bei Einheimischen für die Wassersportmöglichkeiten auf dem Lake Powell – wurde es schnell immer mehr ein Pflichtstopp auf jeder Südwest-Rundreise. Erst kamen die europäische Touristen, recht bald auch die asiatischen Reisegruppen. Die Hotelpreise stiegen, neue Hotels wurden gebaut.

Spätestens als Microsoft im Jahr 2009 sein Betriebssystem Windows 7 mit einem vorinstallierten Wallpaper und dem Bild der Wave herausbrachte war der Status des Geheimtipps ein für alle Mal vorbei.
Hotelempfehlungen in Page, AZ
- Hampton Inn & Suites*: unser Lieblingshotel in Page mit großen modernen Zimmern und inkludiertem Frühstück.
- Country Inn & Suites by Radisson*: sehr gut bewertet mit geräumigen Zimmern und Innenpool.
- Hyatt Place Lake Powell*: recht neues Hotel mit Frühstücksbuffet und kleinem Pool.
- Red Rock Motel*: privat geführtes ursprüngliches Motel mit toller Atmosphäre mitten in Page.
Umzug der Walk-In Lottery nach Kanab
Ende 2011 war die Paria Contact Station dann endgültig viel zu klein geworden für die tägliche Verlosungszeremonie. Man zog um in das wesentlich größere Visitor Center in Kanab, UT. In der Hochsaison waren bald teilweise mehrere hundert Menschen zu der Verlosung um 9 Uhr anwesend. Das überstieg natürlich auch hier schnell die Kapazitäten bei Weitem, so dass die Verlosung für die Leute vor der Tür über Lautsprecher nach draußen übertragen werden musste.
Auch der organisatorische Aufwand für diese Art der Verlosung war bei den riesigen Menschenmassen mittlerweile natürlich unglaublich groß geworden. Wir haben uns immer gewundert, dass das System trotzdem so lange so durchgezogen wird. Für Kanab und die Region war die Wave-Lottery aber ein viel zu wichtiger – wenn nicht der wichtigste – Wirtschaftsfaktor geworden. Das wollte und konnte man nicht so einfach aufgeben. Die Lösung des Problems kam mit dem Siegeszug des Smartphones und der damit einhergehenden neuen technischen Möglichkeiten!
Hotelempfehlungen in Kanab, UT
- Canyons Lodge*: tolles kleines Hotel, privat geführt, sehr schöne Zimmer und top bewertet.
- Canyons Boutique Hotel*: von den gleichen Inhabern, etwas klassischer, mit fabelhaftem Restaurant.
- Comfort Suites Kanab*: mitten im Ort gelegen, mit Außenpool und inkludiertem Frühstück.
- La Quinta by Wyndham*: große Zimmer mit moderner Ausstattung, Außenpool, Frühstück.
- Springhill Suites by Marriott*: das neueste Hotel im Ort, sehr gut bewertet.
Die Wave-Lottery heute
Wie Du aus dem ersten Absatz schon weißt ist die Zahl der pro Tag vergebenen Permits deutlich erhöht worden, von 20 Menschen am Tag auf jetzt maximal 64. Bewarben sich im Jahr 2019 z.B. laut offizieller Statistik insgesamt etwas mehr als 200.000 Personen um die 7.300 Permits, stehen heute maximal 23.360 Permits pro Jahr zur Verfügung und damit mehr als dreimal so viele. Die Walk-In-Lottery wurde abgeschafft und durch ein modernes System ersetzt.
So funktioniert das neue Permit-System
Unverändert gibt es zwei Möglichkeiten an ein Permit für die Coyote Buttes North und damit The Wave zu gelangen. Die erste ist die von der Durchführbarkeit wesentlich einfachere, damit aber auch von deutlich mehr Bewerbern genutzte Option:
Coyote Buttes North Advanced Lottery (The Wave)
In der Online-Verlosung werden jeweils am Monatsersten (Ziehung um 9 AM Mountain Time) für den Zeitraum in drei Monaten Permits für 48 Personen und/oder 12 Gruppen vergeben. Die maximale Personenzahl pro Gruppe ist 6. Die Registrierung für die Verlosung erfolgt im gesamten Monat davor (also vier Monate im Voraus) über diesen Link.
Beispiel: du möchtest ein Permit für einen Tag im August. Zwischen dem 1. und 30. April bewirbst Du Dich über das Online-Formular. Die Ziehung erfolgt dann am 1. Mai.
Pro Person und Monat darf nur eine Bewerbung abgegeben werden. Du darfst bis zu drei verschiedene Wunschtage angeben. Die Lottery Fee in Höhe von 6$ muss sofort bezahlt werden. Nach der Registrierung erhältst Du zwei emails: eine Rechnung über Deine Zahlung und separat die Bestätigung Deiner Teilnahme an der Ziehung.
Direkt nach der Ziehung am Monatsersten bekommst Du wiederum eine email – diesmal mit Deinem Ergebnis. Bist Du gezogen worden (Herzlichen Glückwunsch!) erfährst Du in der email den Tag, für den Du gezogen worden bist (einer Deiner bis zu drei angegebenen/gewünschten Tage in der Bewerbung) und bekommst die weiteren Informationen zur Ausstellung Deines Permits. Dafür musst Du Dich wieder in Deinen angelegten recreation.gov-Account einloggen, den Gewinn bestätigen, ein paar zusätzliche Informationen ergänzen (Mietwagen, Notfallnummer, mitgeführte Hunde, Trailhead etc.) und die 7$ Gebühr (Recreation Fee) pro Person bezahlen. Hierfür hast Du maximal bis zum 15. des gleichen Monats Zeit. Ansonsten verfällt das Permit ersatzlos.
Übrigens: die Monate März, April und Mai haben meist das höchste Bewerbungsaufkommen und die Wintermonate Dezember, Januar und Februar das wenigste.
Kommen wir nun zur zweiten und etwas komplizierteren Option: dem Nachfolger der oben ausführlich beschriebenen Walk-In-Lottery:
Coyote Buttes North Daily Lottery (The Wave)
Das Wichtigste vorweg: um diese Option überhaupt in Betracht ziehen zu können musst Du mindestens drei Tage in der Gegend zwischen Kanab, UT und Page, AZ sein. Die Technik, die das neue System sich zunutze macht ist nämlich die Handyortung. Geofencing lautet das Zauberwort: eine virtuelle Grenze um ein geographisches Gebiet, in welchem man sich zum Zeitpunkt der Bewerbung aufhalten muss.
Der Aufenthalt innerhalb genau dieses festgelegten Gebietes (hier die exakte Karte) ist also die erste Grundvoraussetzung. Die zweite Voraussetzung ist, dass Du die aktuelle Version der recreation.gov-App auf Deinem Smartphone oder Tablet installiert hast, denn nur darüber ist die Bewerbung überhaupt möglich.
Warum aber jetzt der Aufenthalt von drei Tagen in dem Gebiet? Die Bewerbung muss immer zwei Tage vor dem geplanten Besuch der Coyote Buttes North erfolgen. Und zwar zwischen 6 AM und 6 PM Utah-Zeit. Es ergibt sich folgender Ablauf:
- Tag 1: ein Mitglied Deiner Gruppe (von maximal 6 Personen) muss sich in diesem Zeitraum von zwölf Stunden innerhalb des Geofence aufhalten und per App hier die Bewerbung (ebenfalls 6$ Lottery Fee) abgeben. Das Ergebnis der Ziehung erhältst Du um 7:15 PM (Utah-Zeit) am Abend. Im Erfolgsfall hast Du von nun an bis 8 AM am nächsten morgen Zeit, den „Gewinn“ anzunehmen, ein paar erforderliche zusätzliche Angaben zu machen und die 7$ Recreation Fee pro Person zu zahlen.
- Tag 2: um 8:30 AM Ortszeit musst Du pünktlich zu einem Safety Briefing erscheinen. Erst hier wird Dein Permit ausgestellt und damit gültig. Das erfolgt in einem von zwei Pick-up-Locations – die eine in Page, AZ, die andere in Kanab, UT. Wo Du das machst ist Deine Wahl. Aber Achtung: während der Daylight Saving Time (zweiter Sonntag im März bis erster Sonntag im November) ist es in Utah eine Stunde später als in Arizona. Je nachdem von wo Du kommst und wo Du abholst könnte das wichtig sein. 8:30 AM Local Time! Kommst Du zu spät – egal aus welchem Grunde – verfällt das Permit ersatzlos.
- Tag 3: der Tag, für den Dein Permit gültig ist und Du die unvergleichliche Schönheit der Coyote Buttes North endlich selbst erwandern darfst.
Über die Daily Lottery werden täglich Permits für 16 Personen und/oder 4 Gruppen vergeben, je nachdem was zuerst erreicht ist. Ein Beispiel: gezogen wird Los 1 mit einer Gruppe aus 2 Personen, Los 2 mit einer Einzelperson, Los 3 wieder mit einer Gruppe aus 2 Personen und Los 4 mit einer Gruppe aus 3 Personen. Die Ziehung ist beendet, obwohl theoretisch noch acht Permits für diesen Tag übrig wären. Andersherum wird nicht weiter gezogen, wenn über die ersten drei Lose schon die maximale Personenzahl von 16 erreicht wurde (z.B. zwei 6er-Gruppen und eine 4er-Gruppe).
Zusammengefasst hier zum Schluss ein Beispiel, wenn Du am 28. August zu The Wave und in die Coyote Buttes North möchtest. Der nächste Schritt ist dabei jeweils nur erforderlich, wenn das rot markierte Ereignis eintritt:

So gut, so einfach. Oder kompliziert. Entscheide Du. Nach soviel Theorie und Zahlenspielerei möchtest Du jetzt sicher wissen, was Dich denn überhaupt in den Coyote Buttes North und an der Wave erwartet:
Ein Tag an der Wave
Im Januar 2022 sind wir wieder in den Coyote Buttes North und bei The Wave. Seit dem letzten Mal 2007 hatten wir uns immer mal wieder online beworben, wenn Reisen in die Gegend geplant waren. Immer erfolglos. Unserer sehr guten Freundin Camille aus Kanab ist es zu verdanken, dass wir nach all den Jahren wieder in den Genuss kommen.
Sie hat für uns in der zu diesem Zeitpunkt noch durchgeführten Walk-In Lottery gewonnen: drei Permits für den 2. Januar! Wir freuen uns riesig über diese Nachricht, die uns in Las Vegas erreicht. Hier haben wir Silvester gefeiert und waren am Neujahrstag bei Katy Perry im Resorts World Theatre. Am nächsten morgen geht es früh los. Treffen in Kanab ist um 10:30 Uhr verabredet. Die Fahrzeit von Las Vegas beträgt etwas mehr als drei Stunden.

Bei herrlich sonnigem Winterwetter sind wir pünktlich am Treffpunkt in Kanab und machen uns sofort auf Richtung Wire Pass Trailhead. Er ist der Ausgangspunkt für die Wanderung zur Wave und liegt an der unbefestigten House Rock Valley Road. Wir fahren mit Camilles Pick-Up. Mit diesem ist auch die Durchfahrt durch den sehr schlammigen und ausgefahrenen Buckskin Wash kurz vor dem Ziel kein Problem.

Um zwölf Uhr stellen wir den Wagen ab und laufen los. In strammem Tempo, denn Wintertage sind kurz. Bis zu The Wave sind es ungefähr viereinhalb Kilometer durch anspruchsvolles Gelände.


Nach etwa einer Stunde sind wir da. Persönlicher Rekord! Aber auch nicht so schwer bei den im Gegensatz zum Hochsommer angenehmen Temperaturen. Wir sind vollkommen allein hier. Drei jüngere Wanderer aus Japan haben wir ungefähr auf halber Strecke überholt. Der letzte Aufstieg über den Sandhügel ist wie immer am Kräftezehrendsten.


The Wave selbst liegt jetzt am späten Mittag im Schatten und damit nicht im besten Fotolicht. Atemberaubend schön ist sie dennoch, vor allem mit dem Schnee in ihren Rillen und Strukturen.

Die Umgebung der Wave ist aber nicht minder spektakulär und so explorieren wir ausgiebig zu den weiteren Highlights der Coyote Buttes North wie den Brain Rocks, dem Hamburger Rock und der sogenannten Second Wave. Der Schnee und die zugefrorenen Pfützen ergeben auch für uns nochmal völlig neue Eindrücke.







Leider drängt uns die Zeit heute ein bisschen, denn um kurz nach 17 Uhr geht die Sonne unter. Wir machen hunderte Bilder und ein kurzes Picknick. Nach zweieinhalb phantastischen Stunden begeben wir uns auf den Rückweg.


Auch den drei jungen Japanern begegnen wir wieder. Sie sind tatsächlich immer noch auf der Suche nach der Wave und ziemlich orientierungslos. Dringlichst raten wir vom Weitergehen ab. Bei Dunkelheit und ohne Karte oder GPS wird es bei den Temperaturen richtig gefährlich. Selbst wir drei – als recht erfahrene Wanderer und Wavebesucher – haben auf dem Rückweg zweimal Schwierigkeiten im Gelände den richtigen Weg zu finden und versteigen uns kurz.
Die Warnung „Don’t die out there“ gilt in den Coyote Buttes North ganz besonders. Jedes Jahr müssen Dutzende Menschen aus dem Gebiet gerettet werden. Entweder weil sie sich verlaufen haben und den Weg zum Auto nicht wiederfinden. Oder weil Sie nicht genug Wasser für die anstrengende Wanderung mitgenommen haben und dehydrieren. Und ja: es sterben Menschen hier.
Es ist ein großer Fehler, die Wildnis und die Wüste zu unterschätzen oder nicht zu respektieren. Das verantwortliche Bureau of Land Management (BLM) und die Ranger unternehmen große Anstrengungen, die Besucher für die Gefahren zu sensibilisieren und für ein sicheres Erlebnis der Wilderness Area Coyote Buttes zu sorgen. Daher gibt es zum Beispiel auch das Safety Briefing am zweiten Tag des oben beschriebenen Daily Lottery-Prozesses. Verantwortlich für seine Sicherheit ist man aber letztlich selber. Und Unbelehrbare gibt es leider immer wieder.
Um 16:30 Uhr sind wir wieder am Auto, gönnen uns ein eiskaltes Bier aus der Kühlbox und fahren zurück nach Kanab. Wir checken ins Hotel ein, machen uns frisch und sind dann für ein grandioses Abendessen noch bei Camille und ihrem Mann zu Hause eingeladen. Danke Euch Beiden für einen wundervollen Tag!
Morgen geht es dann in die nicht minder atemberaubenden Coyote Buttes South!
Highlights in der Nähe

Skylight Arch & Studhorse Point

Point Sublime und Fire Point im Grand Canyon NP

