San Antonio – allein der Name klingt nach Sonne, Westernromantik und mexikanischem Temperament. Und genau das ist es auch: eine Stadt voller Kontraste, Kultur und Charakter. Mit rund 1,4 Millionen Einwohnern ist San Antonio nach Houston die zweitgrößte Stadt in Texas und gleichzeitig einer der geschichtsträchtigsten Orte der Vereinigten Staaten.


Berühmt wurde die Stadt nämlich vor allem durch The Alamo, die ehemalige Mission und Schauplatz einer der bekanntesten Schlachten des texanischen Unabhängigkeitskampfes. Noch heute ist „Remember the Alamo!“ mehr als nur ein Spruch – es ist ein Gefühl, das man hier fast an jeder Ecke spürt.

Aber San Antonio ist weit mehr als das Alamo. Die Stadt hat uns vor allem mit dem lebendigen River Walk überrascht, einer malerischen Uferpromenade entlang des San Antonio Rivers, die von Cafés, Restaurants und buntem Nachtleben gesäumt wird. Dazu kommt eine faszinierende Mischung aus anglo-amerikanischen und mexikanischen Einflüssen, die nicht nur die Küche, sondern auch die Architektur prägen.
Wir haben zwei Nächte in dieser spannenden Stadt verbracht – viel zu wenig, um alles zu sehen, aber genug, um uns in ihre spezielle Atmosphäre zu verlieben. In diesem Artikel nehmen wir dich mit auf unsere Erkundungstour der San Antonio Highlights. Von historischen Sehenswürdigkeiten über sportliche Höhepunkte bis hin zu überraschenden Vierteln – mach dich bereit für ein kleines texanisches Abenteuer!
Unser Hotel – das The Emily Morgan
Gestern Abend haben wir das NBA-Spiel San Antonio Spurs gegen die Golden State Warriors im AT&T-Center geschaut und danach in einem Hotel etwas außerhalb von Downtown übernachtet. Heute Mittag ziehen wir um, und zwar mitten in die Stadt: das zur Hilton-Marke Doubletree gehörende The Emily Morgan Hotel* liegt direkt neben dem bekanntesten Highlight von San Antonio – dem Alamo. Schon das Gebäude ist eine Sehenswürdigkeit für sich. 1924 als Ärztezentrum und Krankenhaus erbaut, beherbergt das eindrucksvolle Haus seit 1984 ein Hotel. Die vielen neugotische Elemente an der Fassade machen das Emily Morgan Hotel zu einem beliebten Fotomotiv.


Wir werden sehr freundlich empfangen und bekommen Zimmer 1406 im obersten Stockwerk mit traumhaftem Blick auf die Skyline und The Alamo. Hier werden wir es sehr gut aushalten. Und auf das Auto können wir wegen der zentralen Lage für die nächsten 24 Stunden auch verzichten.

Hotels in San Antonio
Hotel Emma*
Canopy by Hilton Riverwalk*
Hotel Gibbs Downtown San Antonio*
The Crockett*


San Antonio River Walk
Unser erster Weg führt uns in wenigen Fußminuten zum River Walk, auf den wir ganz besonders gespannt sind. Dieses einzigartige Netzwerk aus Wegen, Brücken, Restaurants und Geschäften schlängelt sich über mehr als zwanzig Kilometer entlang des San Antonio River, davon etwa zweieinhalb Kilometer in der City – und verleiht der Stadt eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen mediterraner Leichtigkeit und texanischem Charme pendelt.



Was ursprünglich als Hochwasserschutzprojekt begann, hat sich zu einer der beliebtesten Flaniermeilen der USA entwickelt. Und das völlig zurecht! Kaum setzen wir den ersten Fuß auf den schattigen Weg unterhalb der Straßenebene, fühlen wir uns wie in einer kleinen, grünen Parallelwelt. Palmen und Zypressen wiegen sich im Wind, Enten paddeln zwischen bunt beleuchteten Ausflugsbooten, und aus den Fenstern der Lokale duftet es nach Tacos, BBQ und frischen Churros.


Wir setzen uns gleich in eine der ersten Bars und genießen bei einer leckeren Margarita die ganz besondere Atmosphäre. Es herrscht ein wirklich buntes Treiben: Hochzeitsgesellschaften, Straßenmusiker, Businessleute im Feierabendmodus und Backpacker aus aller Welt – der River Walk hat für alle eine magische Anziehungskraft.


Ein gut ausgebauter schmaler Fußweg führt an beiden Seiten des Flusses entlang. Immer wieder gibt es kleine Brücken und die Möglichkeit die Uferseite zu wechseln. Außerdem gibt es natürlich noch die Ein- und Ausstiege zur Straßenebene an den entsprechenden Überführungen. Natürlich kannst Du dich auch von einem der Ausflugsboote über den Fluß schippern lassen.


Das Arneson River Theater ist ein besonderer Ort am River Walk. Die Freiluft-Bühne bietet etwa 200 Aufführungen im Jahr, meist von lokalen Folklore-Gruppen, Tänzern, Musikern und Schauspielern. Die Bühne befindet sich auf der Nordseite des Flußes, während bis zu 800 Zuschauer auf den grasbewachsenen Stufen auf der anderen Seite des San Antonio River Platz finden.

Die regelmäßig stattfindenden Paraden auf dem Wasser werden ebenso von hier übertragen. Vielleicht kennst Du das Theater auch aus der 2000er Komödie Miss Undercover mit Sandra Bullock. Direkt hinter dem Zuschauerbereich beginnt das La Villita Historic Arts Village mit seinen Kunsthandwerksgeschäften, Gallerien und Restaurants.

Die anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt sind schnell vom River Walk aus zu erreichen und so kommen wir noch mehrmals an diesem Tag hierher zurück – selbstverständlich auch später zum Abendessen in einem der zahlreichen Restaurants!
Etwas außerhalb von Downtown lohnt am nördlichen River Walk der Besuch der dreistöckigen Skulptur The Grotto des Beton-Künstlers Carlos Cortés. Diese „Höhle“ mit Gesichtern, Stalaktiten und kleinen Wasserfällen kann auch im Inneren erkundet werden und der Besuch ist kostenlos.

The Alamo
„Remember the Alamo!“ – Dieser Satz ist in Texas beinahe heilig. Und wenn man einmal vor dem relativ unscheinbaren, aber geschichtsträchtigen Gebäude mitten in Downtown San Antonio steht, versteht man sofort, warum. The Alamo ist nicht nur ein historischer Ort – es ist ein Symbol: für Widerstand, für Unabhängigkeit, für texanischen Stolz.

Ursprünglich 1744 als spanische Mission San Antonio de Valero erbaut, ist das Alamo eine von fünf Missionen in und um San Antonio, die zur Bekehrung der indigenen Bevölkerung dienten. Nach Ende der Missionierung wurde das Gebäude seit Anfang des 19. Jahrhunderts von einer spanischen Kavallerie-Einheit genutzt. Seine Berühmtheit erlangte The Alamo im Jahr 1836, während des Texanischen Unabhängigkeitskrieges gegen Mexiko. Hier stellten sich rund 200 texanische Kämpfer einer mehrere tausend Mann starken mexikanischen Armee entgegen.
Der Kampf dauerte 13 Tage, war aussichtslos und endete tragisch – aber gerade dieser verzweifelte Mut machte das Alamo zu einem Mythos. Es wurde zum Inbegriff von Aufopferung und Freiheitswillen. Mit dem Schlachruf „Remember the Alamo“ gewannen die Texaner drei Wochen später schließlich die kriegsentscheidende Schlacht von San Jacinto. In der Folge blieb Texas einige Jahre unabhängig und trat dann 1845 den Vereinigten Staaten von Amerika bei.
Soviel zur geschichtlichen Einordnung. Heute ist The Alamo ein stiller Ort. Kein großes Museum, keine übertriebene Inszenierung – sondern ein Stück Geschichte zum Anfassen. Wir betreten die ehemalige Missionskirche durch einen schattigen Innenhof, umgeben von dicken Mauern und ruhigen Gärten. Die Atmosphäre ist beinahe ehrfürchtig. Drinnen erzählen schlichte Ausstellungen von den Ereignissen, zeigen persönliche Gegenstände der Gefallenen und geben einen Einblick in das Leben zu jener Zeit.
Wir wussten bis dato nicht, dass der vor allem bei uns populäre Musiker Phil Collins sich ganz besonders um das Andenken des Alamo verdient gemacht hat. Über Jahre sammelte er Gegenstände, Dokumente, Bilder und Illustrationen und schrieb ein Buch über die Geschehnisse dieser Zeit: The Alamo and Beyond: A Collector’s Journey. Seine Sammlung schenkte er 2014 dem Alamo-Museum. Seitdem ist sie hier ausgestellt.
NBA-Basketball im Frost Bank Center

Main Plaza
Die Main Plaza ist praktisch das historische Herz von San Antonio und einer der eindrucksvollsten Plätze der Stadt. Das liegt besonders an der kunstvollen Architektur, von der er umgeben ist. Die Plaza selbst ist dabei Treffpunkt und Ruhezone zugleich.

Absoluter Blickfang ist die San Fernando Cathedral an der Westseite des Platzes. Die katholische Kathedrale wurde zwischen 1738 und 1750 erbaut und ab 1868 erweitert. Der bisher einzige Texas-Besuch eines Papstes führte im September 1987 Johannes Paul II. hierher.
Schräg gegenüber steht mit dem Bexar County Courthouse ein weiteres imposantes Gebäude. Es gilt als Meisterwerk des sogenannten Romanesque Revival-Stils mit seinen roten Backsteinen und dem Rundbogen-Eingang. Für uns wirkt das Courthouse wie eine Mischung aus Märchenschloss und mittelalterlicher Festung.
Houston Street Bridge
Wir gehen wieder hinunter zum River Walk und laufen die paar Minuten bis zur Houston Street Bridge über den San Antonio River. Anfang der 1990er Jahre wurden hier in einem gemeinsamen Projekt von Geschäftsleuten und der Stadt vier Betonstelen errichtet, welche als Laternen fungieren und die der Künstler Malou Flato mit bemalten Fliesen versah.

Sie erinnern jeweils an alte Missionen im Regierungsbezirk Bexar County. Heute sind sie ein beliebtes Fotomotiv und einen kurzen Abstecher absolut wert.
Tower of the Americas
Der Tower of the Americas ist sicher das markanteste Gebäude in der Skyline von San Antonio. Mit stolzen 230 Metern ragt der Fernsehturm über die Stadt hinaus und bietet einen atemberaubenden 360-Grad-Blick, der locker bis zu den Hügeln des texanischen Hill Country reicht. Der Tower wurde 1968 als Herzstück der Weltausstellung HemisFair gebaut und ist seitdem nicht nur ein Wahrzeichen, sondern auch ein echter Publikumsmagnet. In knapp einer Minute geht es im gläsernen Fahrstuhl hinauf zur Aussichtsplattform. Direkt darunter befindet sich das Chart House Restaurant, welches sich oben im Turm langsam um die eigene Achse dreht.

Unten im Sockel des Towers gibt es außerdem ein kleines 4D-Erlebnis-Kino namens Skies Over Texas. In wenigen Minuten fliegt man dort virtuell über den Bundesstaat und erlebt Landschaften, Städte und Events – inklusive Wind, Nebel und wackelndem Sitz. Ein bisschen kitschig? Vielleicht. Aber sicher unterhaltsam. Wir müssen auf einen Besuch des Turms heute leider verzichten, da er für eine private Veranstaltung geschlossen ist.
Skulptur La Antorcha de la Amistad
Den nächsten Ausstieg aus dem River Walk auf die Straßenebene machen wir an der East Commerce Street. Hier steht mitten im Zentrum von San Antonio an einer viel befahrenen Kreuzung ein Kunstwerk, das man garantiert nicht übersehen kann: die knallrote, spiralförmige Skulptur La Antorcha de la Amistad, zu Deutsch „Die Fackel der Freundschaft“. Und genau das ist sie – ein leuchtendes Zeichen der Verbundenheit zwischen zwei Ländern und zwei Kulturen: den USA und Mexiko.

Die Skulptur des mexikanischen Künstlers Sebastián ist ein Geschenk der mexikanischen Regierung an die Stadt San Antonio – als Zeichen der diplomatischen, kulturellen und wirtschaftlichen Freundschaft zwischen beiden Ländern – und wurde 2002 an diesem Ort aufgestellt. Mit ihren 20 Metern Höhe und den elegant verdrehten Formen erinnert die Antorcha an eine flammende Fackel. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall wirkt sie anders: mal wie ein Band, das sich in die Luft schlängelt, mal wie eine Flamme, die gen Himmel lodert. Ein bisschen surreal, ein bisschen modern – und absolut fotogen.
Fazit
San Antonio hat uns schon echt überrascht. Die Atmosphäre ist einzigartig und der River Walk ein absolutes Highlight, welches man so in keiner anderen Stadt der USA findet. Ein Besuch gehört also bei einer Tour durch Texas definitiv dazu. Ein bis zwei Tage reichen dabei völlig aus. In der Stadt sind alle Highlights fußläufig zu erreichen. Trotz seiner Größe hat San Antonio einen sehr gemütlichen und überschaubaren Charakter. Wir kommen definitiv wieder!
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