9. Tag: Umpqua River Lighthouse – Oregon Dunes – Sunset Bay, Cape Arago & Shore Acres State Parks
“Seeanemonen, Sea Stacks und ein super Sunset”
Heute Morgen beim Frühstück warten wir eigentlich nur noch darauf, dass Annegret gleich um die Ecke kommt. Ihr wisst schon, diese Therapeutin mit dem breiten Mund aus der RTL-Serie „Teenager außer Kontrolle“. Unsere Schulklasse hier könnte nämlich ebenso auch ein Camp für Schwererziehbare sein. In der kleinen Lobby herrscht ein Lärm wie im Ikea-Kinderparadies, die Jungs haben komplett auf jegliche Oberbekleidung verzichtet und auch die Mädchen haben nur soviel an, dass man so gerade eben nicht rot wird. Schuhe trägt überhaupt niemand. Wir erwarten ja zum Frühstück gar keine Candlelight-Atmosphäre, aber das hier ist schon hart an der Grenze. Entsprechend schnell sind wir satt.
Nicht nur in den New England-Staaten gibt es Covered Bridges, sondern auch hier in Oregon. Und da eine davon sowieso auf unserem Weg liegt machen wir also unseren ersten Stopp heute bei der Rochester Covered Bridge in der Nähe von Sutherlin. Der Highway 138 führt uns weiter entlang des Umpqua River, der hier zu einem immer breiteren Fluss wird.


Nach knapp neunzig Minuten erreichen wir Reedsport und damit die Pazifikküste, an der wir uns nun für den Rest des Urlaubs bewegen werden. Ein Stück südlich des Ortes steht am Eingang der Winchester Bay das Umpqua River Lighthouse und hier erblicken wir auch zum ersten Mal auf dieser Reise den Ozean.

Das Wetter hat heute noch Potential nach oben. Es schauert immer wieder mal, aber dann und wann schaut für eine Minute auch die Sonne durch die dicken Wolken. Im Vergleich zu gestern ist das schon ein Quantensprung.
Die Oregon Sand Dunes erstrecken sich auf einer Länge von 40 Meilen an der Küste zwischen Florence und Coos Bay. Der möglicherweise beste Ort, sich die Dünen anzuschauen sind die Umpqua Dunes in der Nähe der Ortschaft Lakeside. Wir parken unseren Wagen an der Südseite des Eel Creek Campgrounds, bezahlen unsere 5$ in die Selfpay-Box und begeben uns auf den „John Dellenback Dunes Trail“. Das erste Stück führt durch einen Pinienwald und nach etwa 500 Metern recht steilen Weges erreichen wir die offene Dünenlandschaft. Phantastisch, Dünen soweit das Auge reicht!


Wir begeben uns auf Erkundungstour. Der Sand ist tief und die Dünen teilweise sehr hoch, so dass der Puls hier ganz schön in Fahrt kommt. Außer uns ist hier kein Mensch. In der Ferne hören wir das Brummen der ATV’s und Buggies, die an vielen Orten der Oregon Dunes National Recreation Area erlaubt sind. Hier nicht. Wir laufen ein ganzes Stück in Richtung Meer und schießen unendlich viele Fotos.


Um 13 Uhr sind wir wieder an unserem Auto. Über die historische Conde McCullough Memorial Bridge erreichen wir North Bend-Coos Bay. Hier liegen an der Küste drei State Parks direkt nebeneinander, die wir heute alle besuchen werden. Los geht es mit dem Sunset Bay State Park. Es ist gerade Ebbe und so bietet der große Sandstrand in dieser Bucht genug Platz.



Und wir entdecken unsere Lieblingsbeschäftigung des Tages: das Absuchen der vielen Tidepools nach Seesternen, Anemonen, Krebsen und anderen Lebewesen. Und dabei vergeht die Zeit schneller als wir denken, so dass wir uns ein bisschen erschrecken als wir wieder auf die Uhr schauen. Ein Stück südlich der Bucht geht es zum Viewpoint des Cape Arago Lighthouse, den wir uns natürlich auch anschauen.

Im zweiten Park, dem Shore Acres State Park bekommen wir für unsere 5$ Eintritt nicht nur einen Blick auf die zerklüftete Küste und die Sandsteinklippen, sondern auch Zutritt zu einem sehr schönen Botanischen Garten, der hier angelegt wurde.




Letzter Park dieses Triples ist der Cape Arago State Park. Er besteht aus zwei Buchten – North und South Cove. Die North Cove, zu der wir zuerst gehen, ist von März bis Juli gesperrt, um die hier am Strand liegenden Seelöwen und Robben zu schützen. Von oben haben wir hier aber einen sehr schönen Blick auf die Küste.



An der South Cove führt ein Trail hinunter zum Sandstrand. Zu unserer Freude gibt es hier einige wirklich großartige Tidepools und so verbringen wir unten am Wasser recht viel Zeit. Es gibt wirklich alle paar Meter etwas Neues zu entdecken. Wir können uns nur sehr schwer losreißen.




So ist es dann schon 17 Uhr als wir in Bandon Beach ankommen. Wir fahren sofort zum Coquille Point, von wo aus man den besten Blick auf die bekannten Sea Stacks und diesen herrlichen Küstenabschnitt hat. Wir laufen erst oberhalb der Klippen entlang und schießen unzählige Fotos und gehen dann hinunter zum Strand für einen ausgedehnten Spaziergang.








Ein traumhafter Ort! Bandon bezeichnet sich selbst als „Storm Watching Capital of the World“ und obwohl es heute alles andere als stürmisch ist, können wir uns gut vorstellen, wie schön es sein muss hier einen Wintersturm aus einem der Beachfront Motels zu beobachten.
Wir haben noch kein Hotel für heute Nacht. Und die Entscheidung, dass wir in Bandon Beach bleiben ist schnell gefallen. Nicht weit entfernt vom Strand liegt das Best Western Inn at Face Rock* und dorthin fahren wir erstmal. Die nette Dame bietet uns ein Zimmer mit Meerblick an für 110$. Das ist nicht wenig, aber für die Lage für uns absolut okay. Das Zimmer, welches sie uns gibt erweist sich allerdings nach einigem Ruckeln an der sich nicht öffnenden Tür als schon belegt. Die fast panischen Rufe auf der anderen Seite der Tür machen uns das schnell klar. Die Bewohnerin hat wohl gedacht jetzt seien die Einbrecher da. Unserer Rezeptionistin ist das sehr unangenehm und sie gibt uns als kleine Wiedergutmachung ein Upgrade auf eine Kamin-Suite. Wäre doch gar nicht nötig gewesen! Wir beziehen schnell unsere Gemächer: Schlafzimmer, Wohnzimmer, 2 Bäder, Küche, Kamin, Balkon mit Meerblick – was will man mehr? Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir wieder am Coquille Point. Was für ein perfekter Ort! Die Stimmung ist wirklich kaum zu beschreiben.







Bei Subway holen wir uns danach zwei Sandwiches. Die ältere Dame hinter dem Tresen sagt zum Abschied, dass sie sich noch die ganze Nacht mit Caro unterhalten könnte, weil sie ihren „süßen Akzent so liebt.“ Das muss dann aber doch nicht sein. Lieber lassen wir diesen wunderbaren Tag am Kamin mit unseren Footlongs und ein paar kalten Budweisern ausklingen.
10. Tag: Cape Blanco Lighthouse – Samuel H. Boardman State Scenic Corridor – Redwood National & State Parks
“Southern Oregon Coast”
Das Hot Breakfast heute Morgen lässt keine Wünsche offen und beschert unserem Hotel einen weiteren Pluspunkt. Wir lassen es heute mal etwas gemütlicher angehen und trinken noch einen Kaffee auf unserem Balkon ehe wir uns um 10 Uhr auf den Weg machen und uns erstmal Old Town Bandon anschauen. In der kleinen Marina zieht eine einsame Robbe ihre Kreise durchs Wasser und wir bummeln ein wenig durch die Strassen. Auf der anderen Seite der Mündung des Flusses können wir das Coquille River Lighthouse sehen.


Einen anderen Leuchtturm wollen wir uns heute mal etwas genauer anschauen: das Cape Blanco Lighthouse im gleichnamigen State Park südlich von Bandon. Dieser klassische Leuchtturm steht auf einer etwa 75 Meter hohen Klippe am westlichsten Punkt Oregons und ist mit seiner traditionellen Fresnel-Linse noch immer in Betrieb. Im kleinen Visitor Center werden Führungen durch den Turm und seine Geschichte angeboten und so begeben wir uns in die Hände der sehr engagierten Volunteers hier, die uns eine Menge interessanter Geschichten erzählen und ausführlich die Funktionsweise eines solchen Leuchtturms erklären.

Höhepunkt ist natürlich der Aufstieg auf den Turm. Direkt an der Linse stehend haben wir einen herrlichen 360°-Ausblick bei sauna-mäßiger Temperatur. Außerdem blendet das Glas sehr stark. Unsere Sonnenbrillen liegen natürlich im Auto. Auf jeden Fall war es eine lohnenswerte Tour, die wir hundertprozentig empfehlen können!



Um 12 Uhr verabschieden wir uns hier. Kurz hinter Port Orford legen wir einen kurzen Stopp ein. Dies ist der älteste Ort an der Oregon Coast und der Blick auf den Pazifik wunderschön.


Schließlich erreichen wir den Cape Sebastian State Scenic Corridor. Die Ausblicke auf die Küste hier sind traumhaft. Auch eine größere Gruppe Sea Stacks gibt es hier, an denen sich der Highway 101 sehr schön entlang schwingt.



Der Samuel H. Boardman State Scenic Corridor ein paar Minuten weiter zieht sich etwa zehn Meilen die Küste entlang und beherbergt einige tolle Ziele. Zuerst kommen wir an den Viewpoint des Arch Rock. Weiter geht es zu den Natural Bridges, die allerdings schwierig zu fotografieren sind. Der Bewegungsspielraum am Viewpoint ist zu eingeschränkt.
Am wunderschönen Whaleshead Beach unternehmen wir einen langen Spaziergang. Die Felsen am Strand sind alle voller Muscheln, die teilweise laut surren und sich bewegen. Das habe ich so bisher auch noch nicht gesehen bzw. gehört.


Um kurz vor vier Uhr nachmittags überqueren wir hinter Brookings die Stateline und verlassen Oregon. Wir bedanken uns für die sehr schönen Tage hier und versprechen wiederzukommen.


In Crescent City kaufen wir noch schnell etwas zum Grillen für heute abend ein und fahren dann durch das Gebiet des Redwood National & State Parks. Wir finden eine schöne einsame Picnic Area direkt am Strand, wo ich am Grill unser Abendessen zubereite und Caro sich am Strand photographisch etwas austobt.




Um halb acht steigen wir gut gesättigt wieder in unser Auto und fahren nach Arcata. Unserer mal grob gedachten Etappen-Planung sind wir nun ungefähr einen halben Tag voraus, was sehr gut ist, da wir so in San Francisco etwas mehr Zeit haben werden und uns nicht so hetzen müssen. In einer Autowaschanlage befreien wir den Tahoe vom Dreck der letzten Tage und den Innenraum von Caros Kekskrümeln. Wir haben noch ein paar Punkte und genehmigen uns so nebenan im Best Western Arcata Inn* eine letzte Frei-Übernachtung.
11. Tag: Pacific Coast Highway – Mendocino – Napa Valley
“Wir fahren nicht jeden Tag nach …”
Zig Dutzende von Übernachtungen haben wir schon über Priceline gebucht, aber gestern sind wir das allererste Mal geupgraded worden. Für unseren gebotenen Preis schlafen wir dann halt eben heute Nacht eine Kategorie besser als angegeben. Ist ja auch nicht schlecht.
Um 8 Uhr sind wir bei recht frischen 10°C „on the road“. Über unseren Köpfen hängt eine geschlossene Wolkendecke. So langsam nehmen die nicht-sonnigen Tage auf unserer Tour echt überhand. Wegen dieser vielen Wolken und der schlechten Sicht beschließen wir, den Umweg über die sogenannte Lost Coast mit dem Cap Mendocino ausfallen zu lassen. Stattdessen fahren wir über den Highway 101 und später dann durch die parallel zu diesem verlaufende Avenue of the Giants im Humboldt Redwoods State Park. Wir haben die Straße so ziemlich für uns alleine und die Fahrt mitten durch diese gewaltigen Bäume macht sehr viel Spaß.

Um ca. 10 Uhr verlassen wir den Highway 101 und biegen auf den Highway 1 ab. Das Stück bis zur Küste ist mal wieder eine extreme Serpentinenstrecke und Caro wird es bei meinem „üblen Fahrstil“ recht schlecht. Das ist aber vergessen als wir wieder den Pazifik erreichen. Wir haben immer wieder einen traumhaften Blick die Küste entlang und machen einige Stopps.




Die erste Ortschaft ist Westport, wo sehr viele schöne alte Holzhäuser stehen. Hier sehen wir zum ersten Mal, daß die meisten Bewohner dieses Küstenstreifens ihre Terrasse nicht vor das Haus bauen, sondern oben drauf. Sehr gut!

Beim Tanken in Fort Bragg wird zum ersten Mal in diesem Urlaub unser eingegebener Zip-Code akzeptiert, den ich seit Jahren benutze und den ich aus einer in Beverly Hills spielenden Teeny-Serie aus den Neunzigern entnommen habe. In allen vorherigen Urlauben hatte der immer zu 95% funktioniert und dieses Jahr bisher noch nie.
Die heiße Sonne brennt heute nicht und das Mädchen mit den zwei goldenen Spangen steht auch nicht wartend an der Straße als wir in Mendocino einfahren. Das diese Künstlerkolonie mit seinen vielen in traditioneller Holzbauweise errichteten Häusern den alten Sangesbruder Michael Holm zu solch schwülstigem Text angeregt hat wundert uns allerdings nicht.



Sehr gut gefällt es uns hier und wir spazieren ein wenig durch den Ort und entlang des Big River im Mendocino Headlands State Park. Von einer stadtauswärts etwas abseits gelegenen Strasse haben wir zum Abschied einen sehr schönen Blick auf den Ort und das Meer.

Über den Highway 128 verlassen wir die Küste wieder und fahren entlang des Navarro River durch eindrucksvolle Redwood-Wälder. Wir müssen heute einen kleinen Schlenker machen, denn ich hatte von Deutschland aus bei Harley-Davidson in Ukiah einige Sachen bestellt, die ich dort abhole. Über die wunderschöne Alexander Valley Road, die südlich von Cloverdale vom Highway 101 abzweigt, nähern wir uns unserem Tagesziel – dem Napa Valley.


An dieser Strasse liegen schon viele schöne kleine Weingüter des Sonoma County. Ab der Ortschaft Calistoga beginnt dann das Napa County mit seinem weltbekannten Weinbaugebiet. In St. Helena bummeln wir ein wenig über die Main Street und schauen uns einige der hier zahlreichen Weinhandlungen an.


Die meisten Weingüter im Valley schließen zwischen 16 und 17 Uhr, so dass wir heute schon etwas zu spät dran sind und diesen Programmpunkt auf morgen verschieben müssen. Aber auch so ist die Fahrt durch die Weinberge und vorbei an den vielen herrschaftlichen Gebäuden sehr schön.
In Oakville verlassen wir den Highway 29, da in Richtung Napa gerade Rush Hour ist, und fahren den Rest der Strecke auf dem Silverado Trail. Diese beiden Strassen laufen parallel zueinander und durchqueren das gesamte Valley in Nord-Süd-Richtung. Auf dem Silverado Trail ist wesentlich weniger Verkehr, da hier auch die kleineren und etwas unbekannteren Weingüter liegen. Landschaftlich ist dies allerdings die schönere Strecke, da man viel bessere Ausblicke auf die Weinberge hat.



Das Napa Valley Marriott Hotel & Spa* liegt sehr zentral und erfreut uns mit einem frisch renovierten Zimmer. In der Sports Bar im Hotel essen wir sehr lecker zu Abend und folgen den Wein-Empfehlungen unserer sehr netten Bedienung. So fallen wir mit der entsprechenden Bettschwere gegen Mitternacht müde ins Bett.
12. Tag: Napa Valley – San Francisco
„Obama Xing“
Im Frühstücksfernsehen sehen wir, dass Barack Obama heute und morgen San Francisco und die Bay Area besuchen wird. Das deckt sich mit unseren Plänen. Hoffentlich kommen wir uns dabei nicht in die Quere. Die Straßen um sein Hotel werden gesperrt sein und auch für den Verkehr wird es hier und da zu Einschränkungen kommen, berichtet die Reporterin.
Wir verlassen um kurz vor 9 Uhr unser Hotel und fahren nochmal ins Napa Valley, um uns das ein oder andere Weingut anzuschauen, die ja gestern schon geschlossen hatten. Über uns hängt ein ziemlich dramatischer Himmel und es ist recht nebelig.



Auf dem Parkplatz der Robert Mondavi Winery stehen schon die ersten zwei Busse japanischer Reisegruppen und warten auf den Beginn der Führung und des Tastings. Das haben wir heute nicht vor, wir schauen uns stattdessen ein wenig die wunderschöne Anlage an und kaufen einige Sachen im Shop.




Das wohl bekannteste Weingut im Valley ist Opus One, ein Gemeinschaftsunternehmen von Robert Mondavi und Baron Rothschild aus Frankreich. Das futuristische Gebäude lockt uns zu einem Besuch. Nach der Anmeldung beim Concierge wagen wir auch hier einen kurzen Blick in den Shop. Opus One produziert ausschließlich Rotwein. Die günstigste Flasche kostet 65 $, dann kommt preislich lange Zeit nichts, bevor es dann ab 195 $ wieder losgeht.


Das Weingut Darioush ist unser nächster Stopp. Weißweine gibt es zur Zeit nicht zu kaufen. Das Angebot, uns die später nach Hause schicken zu lassen, lehnen wir dankend ab. Wir brauchen den nämlich für übermorgen – unseren Hochzeitstag. Fündig werden wir schließlich bei Chimney Rock, wo wir gestern schon zum Fotos machen waren. Das hatten wir glücklicherweise schon erledigt, denn heute hängen wieder dunkle Wolken über uns.
Wir verlassen das Valley Richtung San Francisco und ab Vallejo setzt Starkregen ein. Na super! Vor vier Jahren waren wir vier Tage in San Francisco, von denen wir drei Tage die Hand fast vor Augen nicht sehen konnten und am vierten fast erfroren wären. Wir hatten auf mehr Glück in diesem Jahr spekuliert.
Wie wirkungsvoll abschreckend die Schilder an den Highways mit der Androhung von hohen Geldstrafen für „Littering“ sind bekommen wir heute vorgeführt: wir wundern uns schon, als wir an drei Häufchen Sperrmüll vorbeifahren, die in säuberlichem Abstand von etwa einem Kilometer auf dem Standstreifen liegen. Eine Minute später sehen wir den Grund: eine Frau mittleren Alters lädt gerade von ihrem noch recht vollbeladenen Pick-Up ab und baut das vierte Häufchen. Unglaublich!
Über Richmond und den John T.Knox Freeway, für den die ersten 4$ Brückengebühr fällig werden, erreichen wir Corte Madera und den dortigen Harley-Davidsion Händler. Von der Brücke aus haben wir einen schönen Blick auf das bekannte Staatsgefängnis von San Quentin. Um 14 Uhr begrüßt uns die Golden Gate Bridge, die bei diesem Wetter natürlich sehr unfotogen dasteht.

Weiteres Sightseeing macht bei dem Regen und der Sicht jetzt keinen Sinn und so fahren wir an die Fisherman’s Wharf und checken in unser Hotel – das Argonaut* – ein. Das Valet Parking kostet hier 43 $, für unser Auto als „oversized vehicle“ sogar 58 $ pro Tag. Parken in San Francisco ist teuer, aber das übersteigt dann doch unser Verständnis. Direkt hinter dem Hotel gibt es ein öffentliches Parkhaus und hier stellen wir unseren Wagen für 28 $ die Nacht ein.


Nachdem wir uns kurz frisch gemacht haben kaufen wir uns unseren Muni-Tagespass und besteigen in der Hyde Street das Cable Car, um Richtung Union Square und Market Street zu fahren. Kurz vor der California Street halten wir. Es dauert einige Zeit und dann bekommt der Fahrer über Funk gesagt, dass alle Passagiere aussteigen müssen und die Strecke für mindestens eine Stunde gesperrt sein wird. Der Grund ist: natürlich Mr. President persönlich, der heute abend im Fairmont Hotel um die Ecke – wie wir erfahren – an einer Fundraiser-Veranstaltung teilnehmen wird. Der ganze Block ist abgesperrt und wir müssen ein Mal um diesen herumlaufen, um zur Powell Street zu kommen. Hier bleiben wir stehen und schauen uns dass Szenario um uns herum an.
Auf den Dächern sind überall Scharfschützen und Polizisten mit Ferngläsern, es wimmelt von Secret Service-Agenten und Kamerateams. Trotz allem ist es sehr ruhig, fast still. Eine merkwürdige Atmosphäre. Zum Union Square müssen wir nun notgedrungen zu Fuß laufen. Das ist noch ein ganzes Stück weg von hier, aber glücklicherweise geht es in dieser Richtung nur bergab. Gerade als wir losgehen wollen sehen wir, dass von unten eine ganze Armada Motorrad-Polizisten den Berg hochgefahren kommt. Bald danach sehen wir die beiden schwarzen Cadillac-Limousinen mit Barack Obama schon in der Ferne.




Auch wenn uns das alles richtig Zeit gekostet hat war das schon ein Erlebnis und nachdem uns aus den letzten weißen Vans eine ganze Schar Fotografen vor die Füße gesprungen ist machen wir uns auf den Weg Richtung Union Square.

In der Westfield Mall an der Market Street gehen wir etwas shoppen und stellen dann erstaunt fest, dass der riesige Virgin Store gegenüber jetzt leer steht. Wir spazieren noch ein wenig durch Chinatown in der Abendstimmung.




Im Gegensatz zum Hinweg geht es nun meist bergauf und das geht ganz schön an die Kondition. An der Ecke California & Powell wollen wir also in ein Cable Car Richtung Hotel steigen. Aber es kommt keins. Nach zehn Minuten nicht und nach zwanzig Minuten immer noch nicht. Wir sind schon etwas genervt als ein Truck auf der Kreuzung auftaucht mit einem defekten Cable Car im Schlepptau. Das ist also der Grund fürs Warten. Direkt danach kommt endlich unser Wagen.
Durch das ganze Laufen haben wir jetzt richtigen Hunger. Außerdem ist es auch schon 21:30 Uhr. Und wie sich herausstellt ist dies eine ganz bescheidene Zeit, um noch ein geöffnetes Restaurant zu finden. Um den Ghirardelli Square ist die Küche schon überall kalt. Auf den Tip eines Barkeepers hin werden wir schließlich schräg gegenüber unseres Hotels bei dem Italiener noch fündig. Wir werden als die „letzten Gäste des Tages“ freundlich begrüßt und essen hier noch recht gut. Um kurz vor Mitternacht gehen die Lichter in unserem Zimmer aus.
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