Das letzte Spiel der Rams im geschichtsträchtigen Stadion
Heute dürfen Caro und ich Sportgeschichte miterleben. Die Los Angeles Rams laufen das allerletzte Mal im Los Angeles Memorial Coliseum auf. Seit ihrem Umzug aus St. Louis im Jahr 2016 spielt das Team – wie schon von 1946 bis 1979 – in diesem altehrwürdigen Stadion südwestlich von Downtown. Zur neuen Saison ist dann mit einjähriger Verzögerung das SoFi Stadium fertig, das modernste und teuerste Stadion der Welt. Wir freuen uns also auf einen packenden Sportnachmittag gegen die Arizona Cardinals und den Abschied von einer Sportstätte, die auf eine mehr als glorreiche Geschichte zurückblickt.
Das Los Angeles Memorial Coliseum liegt im Exposition Park in South Central Los Angeles und fasst heute bis zu 77.500 Zuschauer. Im Jahr 1923 wurde es eröffnet und trägt im Namen das Andenken an die Weltkriegsveteranen des Landes. Die Grand Old Lady – wie das Stadion auch genannt wird – war 1932 und 1984 Schauplatz der Leichtathletik-Wettkämpfe der Olympischen Spiele, sowie der Eröffnungs- und Schlußfeiern. Auch der allererste Super Bowl im American Football 1967 fand hier statt. Es ist seit der Eröffnung bis heute Heimstätte des College-Football-Teams USC Trojans.

Im Zuge einer Modernisierung 1993 wurde die Leichtathletikanlage entfernt und das Spielfeld mehr als drei Meter abgesenkt, damit die Zuschauer näher am Geschehen sind. Die Kapazität wurde dadurch um 8.000 Plätze erhöht. Ein Jahr später wurde das Coliseum beim Northridge-Erdbeben stark beschädigt und musste für fast 100 Millionen Dollar repariert werden. Durch den Umbau der Sitze und den Einbau von Logen und Suiten sank die Kapazität des Stadions 2019 von über 93.000 auf 77.500 Zuschauer.
Auch große Konzerte finden immer wieder im Coliseum statt. So spielten hier schon die Rolling Stones, U2, Guns N‘ Roses, Bruce Springsteen und Rammstein. Bei den Olympischen Sommerspielen 2028 wird das Los Angeles Memorial Coliseum auch wieder Austragungsort sein. Damit ist es dann zusammen mit dem Rose Bowl in Pasadena das einzige Stadion der Welt, welches Schauplatz von drei Olympischen Spielen war.
Für uns ist das ein Sport-Wochenende der Superlative: gestern abend haben wir die Clippers gegen Utah Jazz gesehen, heute mittag NFL bei den Rams und gleich nach dem Spiel geht es für uns abermals ins Staples Center zum Spiel der Lakers gegen die Dallas Mavericks. Das ist nur in Los Angeles möglich!
Den kurzen Weg von unserem Hotel in Downtown zum Stadion fahren wir mit dem Uber. Auf den Parkplätzen vor dem Coliseum ist schon richtig was los: das typisch-amerikanische „Tailgaiting“ mit lauter Musik, Bier und Barbeque zieht uns auch gleich in den Bann. Für einige Football-Fans ist diese Tradition wichtiger als das Spiel selbst. Der Olympic Torch am Osteingang ist das Wahrzeichen des Memorial Coliseum. Da Olympia 1984 die ersten Spiele waren, die wir als Kinder bewußt miterlebt haben, werden hier gleich Erinnerungen wach.
Die Stimmung heute ist extrem ausgelassen – und das obwohl es für beide Mannschaften sportlich um nichts mehr geht, da die Playoffs verpasst wurden. Aber es freut sich jeder auf ein letztes Mal NFL-Football an diesem historischen Ort. Und das Wetter ist dazu heute auch noch traumhaft sonnig! Voller Vorfreude nehmen wir unsere Plätze im Oberrang des weiten Runds ein.


Aus gegebenem Grund prangt heute ein spezielles Abschiedslogo im Mittelkreis. Und auch die Endzonen haben ein besonderes Design. Vor dem Spiel werden alle anwesenden Prominenten und Halbprominenten auf der großen Videowand gezeigt. Am lautesten gefeiert wird wie so oft in L.A. Snoop Dogg. Nach dem mit Feuerwerk begleiteten Einlauf der Rams folgt dann die Nationalhymne, die zu unserer Freude in guter alter Tradition bei besonderen Anlässen mit dem Flyover einer Fliegerstaffel gekrönt wird. Show-mäßig ist das schon mal ein sehr guter Einstand!


Es entwickelt sich schnell ein interessantes Spiel, welches die Rams durch zwei Touchdowns von Malcolm Brown und Cooper Kupp bei einem Touchdown der Cardinals mit 17:10 in die Halbzeitpause bringen. In dieser schlendern wir ein wenig um das Stadium herum, schauen an den vielen Merchandise-Ständen vorbei und versorgen uns mit wie immer astronomisch teurem Speis und Trank.
Das dritte Viertel nutzen die Cardinals für den Ausgleich per Touchdown durch Damiere Byrd. Zu Beginn des Schlußviertels gehen die Rams dann durch einen Touchdown von Tyler Higbee wieder in Führung und wir nutzen die allgemeine Freude dafür, unsere Plätze zu verlassen und Richtung Ausgang zu gehen. Wie gesagt müssen wir ja noch zu den Lakers und da wollen wir pünktlich sein. Einen weiteren Touchdown der Rams erleben wir dann schon auf dem Parkplatz, lautstark gefeiert mit einem Feuerwerk über dem Olympic Torch. Das Spiel endet übrigens schließlich 31:24.


Wir machen nun etwas, wofür uns jeder Amerikaner – und erst recht jeder Angeleno – für komplett verrückt erklärt: wir laufen die knapp zweieinhalb Meilen bis zum Staples Center zu Fuß. Die Flower Street verbindet schnurgerade beide Sportstätten miteinander und der milde Winterabend tut sein Übriges zu dieser Entscheidung. Auf halber Strecke essen wir noch eine Kleinigkeit bei Carls Jr. und erreichen nach etwas mehr als einer Stunde Marsch pünktlich das Staples Center.

Uns hat der historische Nachmittag im Los Angeles Memorial Coliseum eine Menge Spaß gemacht. Und wie geschichtsträchtig auch unser Abend gleich im Staples Center bei den Lakers wird erfahren wir schmerzlich knapp vier Wochen später.
