Die Coyote Buttes South sind für uns die vielleicht schönste Wüstenlandschaft der Welt und viel mehr als nur eine Alternative zur wesentlich bekannteren und nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernten The Wave. Uns begeistert dieser kleine Teil der Paria Canyon-Vermilion Cliffs Wilderness südlich der Grenze zwischen Utah und Arizona immer wieder aufs Neue!
Die über Millionen von Jahren entstandenen Sandstein-Formationen hier suchen ihresgleichen und sind eines der absoluten Natur-Highlights des amerikanischen Südwestens. Den benachbarten Coyote Buttes North ist dieses Gebiet mindestens ebenbürtig. Allerdings ist es auch deutlich schwerer zu erreichen. Darauf komme ich später zurück.
Die Coyote Buttes South stehen wegen ihrer extremen Fragilität unter strengem Naturschutz des Bureau of Land Management (BLM). Der Zugang ist durch ein Permit-System auf höchstens zwanzig Personen pro Tag reglementiert.
Coyote Buttes South Permits
Ebenso wie beim weltbekannten Nachbarn Coyote Buttes North gibt es zwei Wege an ein Permit (Zutrittserlaubnis) zu gelangen:
- Advanced Permit: die zu bevorzugende Variante ist diese Vorausbuchung. Jeweils am Monatsersten schaltet das BLM um 12 Uhr mittags Mountain Time den Buchungskalender für die Permits für den dritten Monat im Voraus frei – also z.B. am 1. März für den gesamten Juni oder am 1. Juni für den gesamten September. Pro Tag stehen maximal 10 Permits für maximal 4 Gruppen (bis zu 6 Personen) zur Verfügung. Sobald eines der beiden Limits erreicht ist, ist der Tag ausgebucht.
- Daily Lottery: Die Teilnahme an der täglichen Verlosung der anderen 10 Permits und die Ausstellung ebendieser ist an mehrere Bedingungen geknüpft und deswegen nur eine Option, wenn man mindestens drei Tage in der Gegend um Page, AZ und Kanab, UT ist. Die Funktionsweise entspricht der Coyote Buttes North Daily Lottery, welche ich hier ausführlich erkläre.
Für Beides gilt: das Permit wird auf den Namen des Permit-Holders ausgestellt und maximal 5 weitere Personen. Die Reservierungs- bzw. Bewerbungsgebühr beträgt zur Zeit 6 US-Dollar. Pro Person sind zusätzlich 5 US-Dollar Recreation Fee zu entrichten. Ein Permit für vier Personen z.B. kostet also 26 US-Dollar.
Die Chancen auf ein Permit für die Coyote Buttes South sind um ein Vielfaches höher als für das Gebiet mit The Wave. Wir haben bisher jedes Mal eines bekommen. Denn den Großteil des Zugangs regelt die Natur hier praktisch selbst – und das liegt vor allem an der Anfahrt.
Die Anfahrt in die Coyote Buttes South
Etwa auf halber Strecke zwischen Kanab, UT und Page, AZ zweigt die unbefestigte House Rock Valley Road vom Highway 89 ab. Auf dieser fährt man knapp zwanzig Meilen nach Süden. Dann wird es tricky. Ohne Allrad-Fahrzeug mit hohem Radstand und etwas Offroad-Erfahrung geht ab hier nichts mehr. Unser Ziel ist der Cottonwood Cove Trailhead.
Die Fahrzeit vom Highway bis hierher beträgt ungefähr 60 bis 90 Minuten. Ab dem Abzweig von der House Rock Valley Road gibt es auf den letzten Meilen einige Tiefsandpassagen und ein paar felsige Abschnitte. Diese sind der Grund warum wir bei all unseren Besuchen in den Coyote Buttes South noch nie einem anderen Menschen begegnet sind.
Mit Paw Hole gibt es noch einen anderen Trailhead für die Erkundung des Gebietes, allerdings sind die Top-Highlights von hier zu weit weg und Cottonwood Cove deshalb immer vorzuziehen. Eine genaue Karte und Wegbeschreibung erhältst Du vom BLM übrigens zusammen mit Deinem Permit.
Orientierung in Wildnis-Gebieten
Da die Coyote Buttes eine Wilderness Area sind gibt es keinerlei Markierungen oder gekennzeichnete Wege. Man orientiert sich ganz allein am Gelände und markanten Punkten sowie den Himmelsrichtungen. Oder man benutzt ein GPS-Gerät. Dies macht heutzutage vieles einfacher und auch sicherer, da man zumindest sein Auto so auf jeden Fall wiederfindet. Bei unserem ersten Besuch hier 2007 gab es das massentauglich noch nicht. Für einige Leute ist es bis heute fast eine Glaubensfrage, ob man moderne Technik beim Explorieren nutzen sollte oder nicht. Und ich verstehe alle persönlichen Widerstände gut, denn natürlich geht damit etwas von dem absoluten „Wildnisgefühl“ verloren.
Wir jedenfalls haben uns vor einigen Jahren auch ein Gerät angeschafft und benutzen es gelegentlich. Es kann einfach unheimlich viel kostbare Urlaubszeit sparen, wenn man sich doch einmal verlaufen oder verstiegen hat. Und der Sicherheitsaspekt ist auch nicht von der Hand zu weisen.
Ein heißer Sommertag in den Coyote Buttes South
Im Juli 2023 waren wir letztmals in den Coyote Buttes South. Diesmal zusammen mit unseren Freunden Oliver und Tanja. Für unsere zweiwöchige Tour durch den Südwesten haben wir bei Alamo einen Jeep Wrangler gebucht. Und bekommen haben wir ein absolutes Top-Fahrzeug, welches sogar mit Geländereifen ausgestattet ist. Das hatten wir tatsächlich noch nie. Der perfekte Wagen also für die Fahrt zum Cottonwood Cove-Trailhead.

Durch heute wirklich extremen Tiefsand bringt der Wrangler uns schnell und sicher zum Startpunkt unserer Wanderung. Das Thermometer zeigt jetzt um 11 Uhr schon 43°C. Extremer könnten die Bedingungen also nicht sein.


Wir befüllen unsere vier Rucksäcke mit jeweils 5 Litern Wasser und etwas Proviant und laufen los. Die etwa einem Kilometer Fußmarsch durch relativ offenes Gelände entfernten Cottonwood Teepees sind eine Ansammlung zeltförmiger Sandsteinformationen und praktisch Ausgangspunkt aller Erkundungen im weitläufigen Gebiet der Coyote Buttes South. Bei der Hitze heute zieht sich der Weg bis dorthin ganz schön und der Schweiß fließt in Strömen.


Viel trinken, Kopfbedeckung und guter Sonnenschutz sind bei diesen Bedingungen wichtiger denn je. Schattenplätze sind rar, die wenigen werden dankbar von uns für kurze Pausen genutzt.

Auch heute sind wir wieder vollkommen allein hier. Diese absolute Einsamkeit und Stille macht die phantastische Landschaft der Coyote Buttes South noch spektakulärer. Unsere Freunde sind zum ersten Mal hier und völlig sprachlos im Anblick der Schönheit der vor uns liegenden Naturwunder.









Wir erkunden die größere Umgebung um den Weird Rock, dem inoffiziellen Wahrzeichen der Coyote Buttes South. Eine noch größere Wanderung durch das Gebiet lassen die Bedingungen heute nicht zu. Nichts ist gefährlicher als sich hier draußen bei der Hitze zu überschätzen und durch Unvernunft einen wie auch immer gearteten medizinischen Notfall herbeizuführen.


Nach etwa vier Stunden sind wir zurück am Auto und machen unter einem der großen Bäume am Trailhead ein ausgedehntes Picknick. Die Fahrt zurück zur House Rock Valley Road meistert unser Jeep wieder problemlos. Die Passagiere in den Flugzeugen über uns sind die einzigen Menschen, die uns heute hier vielleicht gesehen haben.

Für unsere drei Tage in der Gegend haben wir übrigens ein wunderschönes Haus in Kanab, Utah über VRBO* gebucht, den größten amerikanischen Vermittler privater Unterkünfte. Das Haus war riesig, mit tollem Garten und Terrasse und vollständig ausgestattet. Hier haben wir uns sehr wohl gefühlt.

Gerade wenn man mit Familie oder Freunden unterwegs ist und mehr als zwei Tage in der Gegend bleibt lohnt sich der Blick auf ein eigenes Haus. Auch preislich ist das oft sehr attraktiv im Vergleich zu zwei oder mehr Hotelzimmern. Unsere Hoteltipps Für Page, AZ und Kanab, UT findest Du übrigens in unserem Artikel über die benachbarten Coyote Buttes North.
Ein Wintertag in den Coyote Buttes South
Die Auswahl wirklich geländetauglicher Fahrzeuge an den Mietwagenstationen hat sich im Laufe der letzten Jahre leider auf ein Minimum reduziert. Konnten wir sonst immer selber fahren, war daran im Januar 2022 mit unserem Infiniti QX90 nicht zu denken. Und so haben wir zum allerersten Mal eine geführte Tour gebucht: die Private South Coyote Buttes Tour bei Dreamland Safari Tours in Kanab. Unsere Permits haben wir selbstverständlich schon im voraus organisiert – für die wenig frequentierten Tage Anfang Januar auch absolut kein Problem.
An einem kalten Wintermorgen treffen wir uns um 9 Uhr mit unserem Guide Nicolas am Office des Touranbieters in Kanab. Mit ihm sind wir auch sofort auf einer Wellenlänge und so freuen wir uns sehr auf die nächsten Stunden an einem absolut spektakulären Ort. Da wir nach der Tour weiter nach Page, AZ wollen, folgen wir Nicolas erstmal in unserem eigenen Auto.
Wir parken unseren Wagen auf dem großen Platz hinter dem Abzweig der House Rock Valley Road vom Highway und steigen in einen Chevrolet Suburban der elften Generation mit sattem 6.2l-V8-Motor. Mit dieser Power und dem hohen Radstand haben wir keinerlei Schwierigkeiten unser Ziel zu erreichen. Knapp siebzig Minuten später sind wir am Cottonwood Cove-Trailhead.

Das Wetter ist heute vormittag vollkommen auf unserer Seite: blauer Himmel, leichte Schleierwolken, kein Wind. Und es liegt Schnee. Was für eine tolle Kombination!




In den nächsten vier Stunden machen wir eine große Runde durch diese einzigartige Landschaft. Unser Guide erzählt uns derweil eine Menge wirklich interressanter Dinge über die Geschichte der Region, die Geologie der Sandsteinformationen, über Tierspuren und darüber wie das Leben vor tausenden Jahren hier wohl gewesen sein wird.
An einigen Stellen hat er archäologische Fundstücke versteckt, wie Porzellanteile und Fragmente von Werkzeugen, die er auf seinen Touren hier entdeckt hat. Wir müssen dann kurz wegschauen, er holt sie hervor und zusammen versetzen wir uns mit den Relikten in der Hand in eine lange vergangene Zeit. Sehr eindrucksvoll ist das.






Die winterliche Landschaft sorgt zudem für nochmal ganz neue wunderbare Eindrücke. Hier und da finden wir zugefrorene Pfützen, die für tolle Fotomotive sorgen. Hinter jeder Ecke gibt es Neues zu entdecken und die Zeit vergeht viel zu schnell. Einige Dinge haben wir auch nie zuvor gesehen, wie z.B. diesen kleinen Arch:

Nicholas kennt das Gebiet hier wirklich wie seine Westentasche und es macht unheimlich Spaß, seine Begeisterung für diese unvergleichliche Landschaft zu spüren und zu teilen.






Wir machen noch eine ausgiebige Picknickpause mit den mitgebrachten Sandwiches und sind dann um kurz nach 15 Uhr wieder am Auto. Keiner Menschenseele sind wir heute begegnet – genau wie jedes Mal.
Auch die Rückfahrt vergeht wie im Fluge. Denn wir haben uns weiterhin viel zu erzählen. Angekommen an unserem Auto verabschieden wir uns herzlich und Nicolas fährt gen Westen nach Hause und wir gen Osten nach Page, AZ.
Sonnenuntergang am Lake Powell
Die Tage sind kurz im Winter. Ein paar Minuten vor Sonnenuntergang und Ankunft im Hotel beschließen wir deshalb noch einen Stopp am Wahweap Overlook einzulegen. Außer uns ist nur eine Handvoll Leute hier oben. Welch Unterschied zu den Menschenmassen in der Hauptsaison.

Und wieder einmal erschrecken wir uns über den Wasserstand des Lake Powell. Von Jahr zu Jahr wird der Rückgang dramatischer und man mag sich gar nicht vorstellen wohin das noch gehen mag. Wirklich schlimm. Millionen Menschen in der Region versorgt der Stausee mit Wasser und Strom. Zwei Monate später – im März 2022 – erreicht der Lake Powell seinen historischen Tiefstand. Der Pegel liegt nur noch ein Minimum über dem Mindestlevel, den das Kraftwerk am Glen Canyon Dam benötigt um Strom zu erzeugen.


Und so geht ein Tag zu Ende, an dem eine nahezu unberührte Natur und eine durch menschliche Beeinflussung womöglich bald zerstörte Umgebung nur ein paar Meilen auseinanderliegen.
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